ARBEITSGEMEINSCHAFT PRAKTISCHE ARCHäOLOGIE

von Christa Sallam

 

Jedes Jahr führt die AG Praktische Archäologie unter Leitung des Kreisarchäologen Dr. Brandt eine Pflegemaßnahme an einem Bodendenkmal im Landkreis Harburg durch. Dieses Jahr hat sich die Gruppe hierfür ein ca. 5200 Jahre altes Großsteingrab ausgewählt. Es liegt am Rande eines Ackers in Langenrehm bei Emsen. In den 1930ern fanden dort intensive Grabungen statt. Seitdem führte es, unbeachtet von Wanderern und Spaziergängern, ein eher tristes Dasein. Die Natur eroberte sich das Gelände langsam wieder zurück.
Nun hat die AG das Megalithgrab, vom dem nur noch einige wenige Trägersteine und ein mächtiger Deckstein vorhanden sind, von Gehölz, Buschwerk, Müll und Totholz befreit und sein Umfeld gesäubert. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Aber kann man denn jedes Bodendenkmal so einfach „wiederbeleben“? Nein, bei weitem nicht. Es sind eine Menge Vorschriften zu beachten. Und ohne Genehmigung darf niemand an einem Denkmal Hand anlegen, auch wenn er es nur – gut gemeint – säubern will.

 

Für jeden Eingriff an einem unter Denkmalschutz stehenden Objekt hat die Denkmalschutzbehörde die geplante Maßnahme vorab genau zu prüfen. Ist sie werterhaltend und bestehen keine anderen Bedenken, wird die Erlaubnis erteilt, meist mit einem Vorgabekatalog versehen. In diesem Katalog ist u. a. genau aufgeführt, wie die Maßnahme mit welchen Mitteln durchzuführen ist. Das hört sich sehr bürokratisch an, doch ist dies zum Schutz und Erhalt des Objektes wichtig. Schließlich soll der jeweilige Denkmalcharakter erhalten bleiben.
Befindet sich das zu pflegende Bodendenkmal auf Privatbesitz, ist natürlich vorab auch der Grundeigentümer oder Pächter über die anstehende Maßnahme zu informieren. Zudem sind u. a. Betretungsrechte einzuholen und gegebenenfalls notwendige äußerliche Veränderungen auf dem Grundstück abzustimmen.
Wenn außerdem noch durch Rodungsmaßnahmen in die Natur eingegriffen wird, ist es unter Umständen notwendig, dass für den entsprechenden Bereich auch die Naturschutzbehörde eingeschaltet werden muss. Meist treffen sich die Fachbereiche Archäologe und Naturschutz, wie auch in unserem Fall, zu einem Ortstermin. Gemeinsam besprechen sie, was genau geplant und wo ein Eingriff in die Natur zum Schutz des Denkmals unvermeidbar ist. Die Naturschutzbehörde entscheidet dann, wo und wie intensiv gerodet oder zurückgeschnitten werden darf.

 

Wenn dann all diese Vorbereitungen erledigt sind, stellt die AG Praktische Archäologie ein Team zusammen und führt die Pflegemaßnahme durch. In Langenrehm benötigten fünf Ehrenamtliche zusammen mit Dr. Brandt rund drei Stunden, um mit Motorsäge, Astschneider, Gartenschere und Harke die obertägig noch sichtbaren Steine des großen Grabes wieder freizulegen.
Jedes von der AG gepflegte Denkmal erhält danach aus den Reihen der Mitglieder einen sogenannten Pflegepaten. Dieser sorgt regelmäßig dafür, dass „sein“ Denkmal nicht wieder so schnell zwischen Gestrüpp und Buschwerk verschwindet.

Ziel einer Pflegemaßnahme ist aber nicht nur die Erhaltung des Bodendenkmals, sondern es sollte auch für die Öffentlichkeit zugänglich und bekannt gemacht werden. Direkt neben dem Megalithgrab in Langenrehm kann nun bald eine extra entworfene Informationstafel den Besuchern Auskunft über den jungsteinzeitlichen Bestattungsplatz geben. Und ein Wegweiser auf dem nur 150 m entfernt liegenden viel genutzten Heidschnuckenweg, einem von Deutschlands Premium-Wanderwegen, wird zukünftig Wanderer und Spaziergänger zu einem Abstecher dorthin einladen.
Der Dornröschenschlaf für dieses sehr alte Großsteingrab ist damit beendet.


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