FUND DES MONATS

von am 19.01.2018 in Fund des Monats

Unser Fund des Monats kommt diesmal aus dem Magazin und wurde dem Museum 1938 von der Borsteler Schule in Winsen (Luhe) geschenkt. Woher er genau stammt und wer ihn wo gefunden hat, ist unbekannt. Es handelt sich um eine allseitig in Form gepickte und geschliffene Felsgesteinkugel oder -scheibe mit einem Durchmesser von gut 10 cm. Entlang des „Äquators“ verläuft eine Rille, außerdem sind die beiden „Pole“ in Form flacher Schälchen hohl geschliffen worden. Funde dieser Art sind selten, das Museum hat immerhin fünf davon in seinem Bestand. Diese Steingeräte sind bislang chronologisch nur schwer einzuordnen. In Anlehnung an sog. Schälchen- und Rillensteine werden sie in die Stein- und Bronzezeit datiert (4000-1200 v. Chr.), in Fleestedt soll eines in der Steinpackung einer jungbronzezeitlichen Urne gelegen haben (die Überlieferung ist aber ziemlich unsicher).

Rätselhaft ist, wozu man das Objekt benutzt hat. Bei der Inventarisierung hat man den Fund als „Keulenkopf mit Schaftrille“ verzeichnet, die anderen Funde aus dem Bestand als Keulenkopf. Das trifft aber wohl nicht den Kern der Sache, denn es ist doch sehr fraglich, wie man solch einen Keulenkopf in einen Stiel hätte einpassen sollen. Womöglich haben die Archäologen seinerzeit geglaubt, es handle sich um ein Halbfabrikat, und man hätte eigentlich eine durchgehende Bohrung herstellen wollen, wie man dies bei steinzeitlichen Felsgesteinäxten und echten Keulenköpfen der Steinzeit häufig beobachten kann. Funde wie die Borsteler „Schaftrillenkeule“ sehen aber mehr oder wenig gleich aus und sind auch näherungsweise gleich groß (die Durchmesser unserer Exemplare liegen zwischen 8 und 12 cm), so dass wir doch davon ausgehen müssen, dass die Menschen damals ganz bewusst diese Form hergestellt haben. „Keulenköpfe“ können ein Gewicht von 1-2 kg haben, was sie in einem längeren Kampf vermutlich viel zu schwer und kaum handhabbar gemacht hätte. Welche Funktion mögen diese besonderen Steine dereinst also gehabt haben? Ein Exemplar aus Moisburg ist schon mal als Netzsenker bezeichnet worden. Der Fantasie sind mangels sicherer Fundumstände wohl keine Grenzen gesetzt. Das Archäologische Museum Hamburg freut sich daher, wenn Sie sich am Rätselraten beteiligen und auf Facebook oder Twitter Vorschläge machen, wie dieses Objekt genutzt worden sein könnte.

 

 


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