AMH 2.0 ARCHäOLOGIE

von am 23.07.2018 in AMH 2.0, Archäologie

Zur Blogparade „Europa und das Meer – Was bedeutet mir das Meer?“, die mit dem Hashtag #DHMMeer zurzeit vom Deutschen Historischen Museum in Zusammenarbeit mit Tanja Praske ausgerichtet wird, haben wir vom Archäologischen Museum Hamburg uns natürlich eben diese Frage gestellt. Anstatt jedoch eine ganz persönliche Antwort zu geben, haben wir uns entschieden, unsere Vorfahren „berichten“ zu lassen:

 

Das Meer mit seinen Wasserstraßen hat seit jeher für den norddeutschen Raum eine enorme Bedeutung. Lange bevor Hamburg im Zuge der Hanse an Bedeutung gewann, und lange bevor die Hammaburg überhaupt an der Elbe entstand, waren Menschen auf dem Wasser unterwegs. Noch vor Pferd und Wagen war die Fortbewegung auf dem Wasser eine schnelle Art, zu Reisen und gleichzeitig Lasten zu transportieren. Wie früh Gewässer bereits von der Menschheit befahren wurde, soll an einem prominenten Beispiel aus den Beständen des Archäologischen Museums gezeigt werden.

Die Geschichte eines Steinzeit-Paddels

Das Paddel aus dem Duvenseer Moor bezeugt, dass sich die Menschen bereits seit der Steinzeit auf dem Wasser fortbewegt haben. Bei diesem noch nahezu vollständig erhaltenen Exemplar aus Kiefernholz handelt es sich mit einem Alter von über 9000 Jahren um eines der ältesten Paddel, die je gefunden worden sind. Es wurde im Zuge einer Grabungskampagne in den Jahren 1924/26 von Dr. Gustav Schwantes im Bereich des Duvenseer Moores im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein geborgen.

Hier befanden sich mehrere mittelsteinzeitliche Wohnplätze, die einer Gemeinschaft aus Jägern und Fischern als zumindest temporäre Aufenthaltsorte dienten. Das heutige Moor war zu jener Zeit noch ein See, an dessen Rande sich die Gemeinschaft auf einer Insel niedergelassen hatte. Die Boote der Duvenseer Fischer waren mit Sicherheit Einbäume, wie sie für diese Zeit andernorts nachzuweisen sind. Die Einbäume waren mit Feuer und Steingeräten, sogenannten Kern- und Scheibenbeilen, ausgehöhlt worden. Wie genau diese Boote gefahren wurden (stehend oder sitzend), lässt sich heute leider nicht mehr sagen. Eine Rekonstruktion der Haltung des Paddelnden würde durch die Länge der Paddelstiele ermöglicht, doch diese waren meistens bereits abgebrochen, bevor sie in den Boden gelangten.

Wohnen am Wasser

Die Wohn- oder Lagerplätze bestanden in erster Linie aus einer Ansammlung von Matten aus Birkenrinde, die zum Schutz vor Feuchtigkeit auf dem Boden ausgelegt waren. Möglicherweise lagen diese Matten in etwa 5 Meter durchmessenden, rundovalen Hütten, von denen allerdings keine Spuren mehr zu entdecken sind.

Spuren von Nahrungsresten hingegen sind reichlich vorhanden. Neben Aschelagen, die auf Herdstellen hindeuten, fanden die Archäologen Knochen von Hirsch, Reh, Wildschwein, Biber und Hase, sowie Fischreste. Besonders zahlreich waren Haselnussschalen, die hier geröstet worden waren. Offenbar war dieser Ort hauptsächlich für einen kurzen Zeitraum im Spätsommer bewohnt, da sämtliche Pflanzenreste aus dieser Jahreszeit stammen. Die mesolithischen Jäger und Sammler wechselten scheinbar im Laufe eines Jahres ihre Sammel- und Jagdreviere, kehrten aber immer wieder an bewährte Plätze zurück. Wie an jenen im Duvenseer Moor. Inwieweit sie dabei ihre Reisen mit Booten zurücklegten, ist leider nicht bekannt.

 

Vielen Dank für das Lesen! Habt Ihr zum Schluss noch Lust auf ein kleines archäologisches Memoryspiel?


Kommentare

2 Antworten zu “Moor statt Meer: Die steinzeitliche Nutzung der Binnengewässer #DHMMeer”

  1. Tanja Praske

    Lieber Herr Jensen,

    gerade mit Schrecken festgestellt, dass ich hier noch nicht kommentierte, obwohl mir das Lesen große Freude beim ersten Mal bereitete – pardon! Ich liebe Blicke hinter die Kulissen wie diesen hier. Kulturgeschichtliche Zusammenhänge können mit den Zeugnissen im Einklang wunderbar eindrücklich werden. Dafür danke ich sehr!

    Sitze gerade am Fazit der Blogparade mit 109 Artikeln und bin einfach nur begeistert, was für spannende Gedankengänge #DHMMeer vereint!

    Merci!

    Herzliche Grüße
    Tanja von KULTUR – MUSEUM – TALK

    Antworten

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