ALLGEMEIN

von am 26.04.2020 in Allgemein

von Dr. Michael Merkel, Sammlungsleiter des AMH

Aus dem Alltag eines Sammlungsleiters

 

Als Sammlungsleiter des AMH bin ich nicht nur verantwortlich für die Verwaltung unserer Sammlung – die übrigens aus weit mehr als 2 Millionen Objekten besteht – gelegentlich nehme ich auch Objekte aus Privatsammlungen für das Museum entgegen: Häufig handelt es sich dabei um die berühmte „Steinsammlung von Opa“, gelegentlich sind es auch Archivalien zur Forschungs- oder Stadtgeschichte und ganz selten sind es Nachlässe von Künstler und/oder Fotografen.

 

Der Nachlass Theodor Stenzels

Anfang März durfte ich mit meiner Kollegin den fotografischen Nachlass des 2018 verstorben Harburger Lehrers, Künstlers und Fotografen Theodor Stenzel übernehmen. Stenzel beschäftigte sich intensiv mit Schwarzweiß-Fotografie sowie Dunkelkammer-Arbeit und hatte seit 1972 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Er lebte in Hamburg und war Mitbegründer und Mitglied der in Harburg ansässigen Gruppe „Kobalt – Kunst international“ und der Fotogruppe in der Kulturwerkstatt Harburg.

 

Die Heimat zweier Künstler

Auf Einladung seiner Frau, der ebenfalls weit über die Grenzen Hamburgs bekannten Künstlerin Anke de Vries, besuchten wir Anfang März sein Atelier in der Dempwolffstraße. Das kleine Haus wird einigen kunstinteressierten Hamburgern bekannt sein, da es seit Jahren zum „Tag des offenen Ateliers“ zu den festen Anlaufstationen der Kunstszene in Harburg gehört.

 

Ein kleines Kamel begrüßt die Besucher am Eingang

Die Künstlerin Anke de Vries im Gespräch mit meiner Kollegin Joanna Kadlubowska

Die Magie eines Ortes

Während wir hunderte von, oftmals wirklich tollen, schwarz-weiß Fotos gesichtet haben, durften wir uns auch in Theodor Stenzels Archiv umschauen und dort sogar fotografieren. Der Raum, wie auch das ganze Haus, spiegelte das Leben zweier Künstler wider, die sich zeitlebens mit Fotografie, Kunst und Kultur beschäftigt haben. Im Gespräch mit der Künstlerin Anke de Fries, und angesichts der vielen kleinen Details in Stenzels Archiv sowie dem ganzen Haus, entstand die Idee, aus der Übernahme des fotografischen Nachlasses, ein fotodokumentarisches Projekt zu machen.

 

Stenzel_Reagenzgläser

Stenzel war auch Lehrer für Chemie und Physik 

Stenzel_Schaedel

Ästhetische und kuriose Objekte sind überall im Haus der Künstler zu finden

Der Weg ins Museum

Idee ist es, hierbei beispielhaft zu zeigen, wie der Nachlass eines Künstlers Eingang in eine museale Sammlung findet. Gleichzeitig versuchen wir, auch die Stimmung des Ortes und seine eigene Aura mithilfe von Fotografie festzuhalten. Da Theodor Stenzel sich fast ausschließlich mit der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie beschäftigt hat, werden wir diesen Stil – allerdings digital – zur Dokumentation nutzen. In den kommenden Wochen werden wir also die Übernahme der Fotos, den dazugehörigen Negativen und der ein oder anderen historischen Kamera dokumentarisch begleiten und dabei das fotografische Auge auf die vielen kleinen und großen Kunstwerke, Spielereien und persönlichen Dinge in diesem Künstlerhaushalt richten.

Selbstverständlich werden wir nach Abschluss des Projekts hier darüber berichten, damit Ihr eine Idee von dem bekommt, was wir dort machen und vor allem gesehen haben.

 

Stenzel_Flugzeug

Die Wandkunst und die viele Details im Haus der beiden Künstler, haben uns begeistert!

 

Stenzel_Wandkunst

 

 


Kommentare

3 Antworten zu “Kunst in allen Ecken – Aus dem Alltag eines Sammlungsleiters”

  1. Wolfgang Becker

    Da hat Harburg ja alle Chancen auf so ne Art Bossard-Tempel……oder?

    Antworten

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