AMH 2.0 STADTGESCHICHTE

von am 04.06.2018 in AMH 2.0, Stadtgeschichte

#SchlossGenuss, die aktuelle Blogparade von KULTUR – MUSEUM – TALK und Schlösser und Gärten in Deutschland e. V., soll das Europäische Kulturerbejahr SHARING HERITAGE 2018 begleiten. Die Kulturbloggerin Tanja Praske nutzt mal wieder die Gelegenheit, zum Austausch anzuregen und bittet #schlösser_zu_tisch.

Wir haben uns lange bitten lassen und so haben wir es doch noch zu (Schreib)Tisch geschafft! Manchmal ist man eben so nah dran an den Themen, dass man vergisst, worum es eigentlich geht. Schlösser und Burgen gibt es in Hamburg nicht? Und zu Festmahl fällt uns auch nichts ein?!

Der wahre Kern der Stadt – real und digital

Von wegen! Es wimmelt nur so von Burgen: Auch wenn die Hammaburg und die Neue Burg leider nicht wie manch andere Bauwerke mit massiven Steinruinen protzen können, so wurde doch an diesen Orten die Entstehungsgeschichte Hamburgs begonnen. Der Begriff „Burg“ allein führt den Betrachter ja oftmals zu der Erwartung, um die nächste Ecke erwarte ihn oder sie ein imposantes Bauwerk. Dabei bezeichnet der Begriff „Burg“ in erster Linie eine Befestigungsanlage, welche in Hamburg und Umgebung vorrangig aus Holz und Erde bestand. Klar also, dass davon heute wenig übrig ist. Umso spannender, dass die Digitalisierung neue Chancen birgt, Verlorengegangenes wieder zum Leben zu erwecken. Wir greifen dafür in die Trickkiste und haben den Hammabot, einen kostenlosen WhatsApp Guide am heutigen Domplatz, entwickelt. Er unterhält sich mit den BesucherInnen über die Geschichte des Platzes. Dazu wird mit Hilfe von Gaming-Engine die Hammaburg von 845 visualisiert und zum Leben erweckt – so gibt es hoffentlich bald keine Missverständnisse mehr, wenn sich die Besucher über die Installationen auf der Grünfläche wundern.

 

Visualisierung der Hammaburg

Phantastische Gewölbe in Harburg

Und auch in Harburg – nur knappe 2 Kilometer vom Archäologischen Museum entfernt – befindet sich ein im 11. Jahrhundert errichtetes und im 16. Jahrhundert ausgebautes Schloss. Im Gegensatz zur Hammaburg kann man hier aber noch tatsächlich Überreste besichtigen. Was einst Herzog Otto I. zu einem Renaissanceschloss erweitern lies, ist heute allerdings für den Laien ein unauffälliges Wohnhaus, aber wie kommt das?

 

Nachdem das Schloss jahrhundertelang militärische Bedeutung hatte, wurde es in nachnapoleonischer Zeit und bis in die 1890er Jahre Sitz des Landratsamtes. Schließlich wurde es von einem Werftbesitzer erworben, der den Ostflügel aufwändig zu seinem privaten Wohnsitz umgestaltete. Den Westflügel ließ der neue Besitzer zum Mietshaus mit Wohnungen für seine Werftarbeiter umfunktionieren, wodurch das Gebäude in seiner Substanz grundlegend verändert wurde. Die Schlossinsel war nun Sitz der Harburger Schlosswerft geworden. Schließlich, vor nicht einmal 50 Jahren, 1972, wurde der repräsentative Ostflügel unter großem Protest der Harburger Bevölkerung abgerissen und damit der Schlosscharakter des Gebäudes endgültig abgeschafft.

Diese wechselvolle Entwicklung des Schlosses spiegelt sich auch in den Mauern des letzten verbliebenen Flügels, der bis heute als Wohngebäude genutzt wird, wider. Im Kellergewölbe des Westflügels befindet sich – bisher verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit – der älteste ursprünglich erhaltene profane Raum Hamburgs aus dem Jahr 1440.

Der Gewölbekeller vom Harburger Schloss

 

Jeder Ausflug in das Gewölbe lässt die Phantasie tanzen. In Zukunft soll im Keller des Harburger Schlosses eine Außenstelle des Museums seinen Platz finden. Wie genau es dort aussehen wird, möchten wir noch nicht verraten. Sicher ist aber, dass der Raum aus dem 15. Jahrhundert durch die Inszenierung selbst zum Haupt-Exponat werden und der historische Ort durch die ganz besondere Atmosphäre einen Identifikationscharakter gewinnen wird. In den alten Gewölben sollen Geschichten und Gesichter aus Harburg einen Platz finden.

 

Autorin: Anais Wiedenhöfer


Kommentare

2 Antworten zu “Hamburgs unsichtbare Schlösser #SchlossGenuss”

  1. Tanja Praske

    Liebe Anais,

    wunderbar – hach, ihr seid damit bislang die einzigen Archäologen, die bei der Blogparade #SchlossGenuss mitmachten – ein großes Kompliment dazu!
    Mir war tatsächlich nicht ganz so bewusst, dass das Thema für euch ein ureigenstes ist und, dass ihr naturgemäß dazu einen Artikel schreibt. Das Digitale ist hier, nicht nur für die Blogparade ein Segen, sondern vor allem auch fürs Nacherleben der Hammaburg. Sollte ich mal in Hamburg sein, versuche ich mir Zeit für euren WhatsApp-Guide vor Ort einzuplanen.

    Merci für alles!

    Herzlich,
    Tanja Praske von KULTUR – MUSEUM – TALK

    Antworten

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