FUND DES MONATS

von am 10.12.2017 in Fund des Monats

Fund des Monats

Über zehn Jahre lang hat das Archäologische Museum Hamburg Ausgrabungen auf einem frühmittelalterlichen Gräberfeld bei Neu Wulmstorf-Elstorf im Landkreis Harburg durchgeführt. In einem der Gräber kam dabei ein Kleinod zutage: eine reich verzierte Gewandspange aus vergoldeter Bronze. Der ganze Fundblock wurde auf der Grabung eingegipst und ins Museum gebracht. Er konnte nun im Rahmen eines Forschungsprojektes des Archäologischen Museums Hamburg zusammen mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz geöffnet und die Funde konnten restauriert werden. Herausgekommen ist ein wahrer Schatz: eine fast 10 cm lange Gewandspange aus Bronze, die auf der Oberseite feuervergoldet und mit Einlagen aus farbigem Glas reich versehen ist. Fibeln dieser Qualität sind eine Seltenheit, und dieses besondere Exemplar sogar womöglich in seinem Stil einzigartig.

 

© Archäologisches Museum Hamburg, Foto: Torsten Weise

 

Die Frau, der diese Fibel gehörte, verstarb in der Zeit zwischen 820 und 850. Das ergibt sich aus einer silbernen Münze, die die Archäologen des Museums in dem Grab fanden. Bei dieser handelt es sich um einen fränkischen Denar, der nach der Umschrift als „christiana religio-Denar“ benannt ist. Diese Münzen wurden während der Regentschaft des fränkischen Kaisers Ludwigs des Frommen geprägt und gelangten ganz vereinzelt bis nach Norddeutschland. Hierzulande dienten die Münzen aber wohl noch nicht als Geld, sondern eher als Anhänger oder Amulett. Das auf einer Seite dargestellte Kreuz könnte die Trägerin als frühe Christin ausgewiesen haben.

Die übrigen Grabbeigaben der Frau, ein Messer, eine Nadelröhrchen zum Aufbewahren von Nähnadeln und eine Perlenkette, gehören zu dem typischen Beigabenspektrum einer Frau dieser Epoche. Die Fibel und die Münze hingegen sollten bis ins Grab hinein verdeutlichen, dass die Verstorbene zur besseren Gesellschaft des kleinen Dorfes gehörte, das seine Toten in Elstorf bestattete. Dass man es dabei mit dem christlichen Glauben – der nach strenger Auslegung eine beigabenlose Beisetzung forderte – nicht sonderlich ernst nahm, dürfte dafür sprechen, dass es mit der Durchsetzung der neuen Religion, die in Norddeutschland erst im Zuge der fränkischen Eroberung rund 50 Jahre zuvor eingeführte worden war, noch nicht allzu weit her war.

Der Fund ist also ein ganz außergewöhnliches Ensemble, und zwar nicht nur im Zuständigkeitsbereich unseres Museum. Da uns keine vergleichbaren Gewandspangen bekannt sind, wird es spannend sein, seine Herkunft zu ermitteln, die Untersuchungen dazu haben aber gerade erst begonnen.

 


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