ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

von am 30.07.2015 in Archäologie, Ausgrabung

 Die Metallfunde sind durch die lange Bodenlagerung so fragil, dass sie in einem Block eingegipst und geborgen werden. Erst nach einem Röntgenbild wird der Block in der Restaurierungswerkstatt geöffnet. In einem Süd-Nord ausgerichteten Körpergrab lag die Tote mit dem Kopf im Süden in einem Baumsarg

 

Gewisse Dinge werden auch bei Jobs in der Archäologie zur Routine. Die Regale um uns herum, die so viele und so alte Kostbarkeiten beherbergen, flößen in den ersten Arbeitswochen noch Ehrfurcht ein, doch auch in ihren Anblick schleicht sich irgendwann der Alltag ein. Doch einer der sehr dankenswerten Aspekte unserer Arbeit ist, dass in den Objekten mit denen wir arbeiten, eine gewisse Fluktuation herrscht. Durch die Grabungen der Bodendenkmalpflege, durch die Aufarbeitung der Magazine, aber auch in der Restaurierung werden immer wieder Schätze gehoben. Manchmal auch von so einer Ausstrahlungskraft, dass nahezu jeder im Büro – nachdem ihm von dem Fund berichtet wurde – sich aufmacht um den Neuankömmling zu begutachten. So auch vor einigen Wochen: Unser Restaurator hatte einen Gipsblock geöffnet, der vor einigen Jahren auf der Grabung in Elstorf gemacht worden war. Gerade Metallfunde sind durch die Bodenlagerung oft so fragil, dass sie im Gips eingeschlossen vor weiterem Verfall besser geschützt sind. Besucher der Werkstatt konnten an diesem Tag den geöffneten Block, auf dem feinsäuberlich auf kleinen Stelzen und Podesten noch die Objekte an ihrer Fundstelle platziert waren, bestaunen. Sie stammen aus der Bestattung einer Frau, die im 8. Jahrhundert gelebt hatte. Ihr Körper war in einem Baumsarg beigesetzt worden, in einem Süd-Nord ausgerichteten Grab. Ihr beigegeben waren Schmuck und scheinbar alltägliches Werkzeug. In einer Tasche, die sie am Gürtel getragen hatte, wurden ein Schlüssel und ein Nadelröhrchen gefunden, in dem Nähnadeln aufbewahrt wurden. Im Bereich ihres Halses fanden sich ein Halsring aus Bronze, ein Ohrring aus Silber, eine Bronzefibel, die mit drei Kreuzen verziert waren und diverse bunte Glasperlen einer vergangenen Kette. Wie bei vielen Bestattungen auf dem sächsischen Gräberfeld zeigen sich in der Bestattung sowohl heidnisches als auch christliches Gedankengut. Die Sitte, den Verstobenen Beigaben mit zu geben, entstammt vorchristlichen Traditionen, während die Fibel zeigt, dass der neue Glaube schon Anklang fand.

 


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