ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG FUND DES MONATS

Das Bauprojekt Cremoninsel

Luftaufnahme, Bildunterschrift: Lage der Cremoninsel innerhalb der Hamburger Altstadt. Foto: LGV Hamburg.

 

Luftaufnahme Maßstab 1:25.000; Lage der Cremoninsel innerhalb der Hamburger Altstadt. Foto: LGV Hamburg.

 

In den Wintermonaten 2013/14 mussten bei einem Bauprojekt auf der Cremoninsel, begrenzt im Norden durch die Katharinenstraße, im Osten durch die Reimerstwiete und im Süden durch die Straße Katharinenfleet, baubegleitend archäologische Untersuchungen auf einer Gesamtfläche von nahezu 4.900 m² durchgeführt werden. Sie haben zur Aufdeckung spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Baubefunde geführt, die erste Einblicke in den Kolonisierungsprozess der Cremoninsel und in die Bebauungsstruktur der erfassten historischen Parzellen ergeben. Erfasst wurden in der Flucht der bis 1943 existenten Parzellengrenzen die Überreste verbohlter Abzugsgräben, die vergleichbar entsprechender Befunde auf der nahen Reichenstraßeninsel und auf dem benachbarten Grimm die Neuparzellierung von Großgrundstücken nach der Mitte des 13. Jahrhunderts widerspiegeln. Insgesamt konnten vier hölzerne Kloakenschächte dokumentiert werden, darüber hinaus drei Ziegelschächte, die ursprünglich in den straßenseitigen Dielenhäusern bzw. angeschlossenen Seitenflügeln lagen.

 

 

Grabungsflächen an der Reimerstwiete (Hamburg-Altstadt, Fundplatz 164) und an der Straße Katharinenfleet (Hamburg-Altstadt, Fundplatz 166) in der Großbaustelle Cremon Insel. Grafik: H. Hoor, AMH

 

Der hölzerne Schreibgriffel

 

Hölzerner Schreibgriffel von der Hamburger Cremoninsel, 14./15. Jh., L. 16,4 cm. Foto: T. Weise, AMH

 

Zu den herausragenden Funden zählt ein hölzerner Schreibgriffel aus einem großen Ziegelschacht an der Reimerstwiete. Der sog. Stilus mit einer noch erhaltenen Länge von 16,4 cm zeigt einen tordierten Schaft, der über einen kegelförmigen Unterarmansatz mit einem schräg gerieften Armring am Handgelenk in eine geschlossene Faust übergeht. Im unteren Schaftende war ursprünglich ein metallener Schreibstift eingesetzt, von dem sich jedoch keine Reste erhalten haben. In der Gestaltung mit tordiertem Schaft und geschlossener Faust vergleichbar ist ein knöcherner Schreibgriffel aus Stade, der aus dem Becken des Alten Hafens geborgen worden ist. Hölzerne Schreibgriffel sind äußerst selten. Ein Exemplar vom Anfang des 14. Jahrhunderts ist aus dem Kloster Wienhausen bekannt, ein weiteres aus Ahornholz mit eingesetztem Eisenstift und anthropomorph gestaltetem Kopf stammt aus Lübeck und wird dort in das 15. Jahrhundert datiert.


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