STADTGESCHICHTE

von am 02.05.2019 in Stadtgeschichte

Jens Brauer, Leiter Stadtgeschichte Harburg

 

1924 würdigt die Stadt seinen scheidenden Oberbürgermeister Heinrich Denicke (1856 – 1943)

Als am 28. Dezember 1924 Harburgs Oberbürgermeister Heinrich David Denicke (1856–1943) aus seinem Amt verabschiedet wurde, konnten sich viele Harburger wohl gar nicht an eine Zeit ohne ihn an der Stadtspitze erinnern. 42 Jahre war der gebürtige Buxtehuder in den Diensten der Stadt. Zu seiner Verabschiedung machte ihm die Stadt Harburg im Rahmen eines Festaktes ein besonderes Geschenk. Denicke wurde zum 11. Ehrenbürger der Stadt ernannt und erhielt aus den Händen von Stadtsyndikus Telemann zwei silberne Tischleuchter: »Indem ich Ihnen im Namen des Magistrats und des Bürgervorsteher-Kollegiums diesen Ehrenbrief hiermit übergebe, habe ich ferner vom Magistrat und dem Bürgervorsteher-Kollegium den Auftrag erhalten, Ihnen als Ehrengeschenk der Stadt zwei silberne Leuchter zu überreichen, die zu dauernder Erinnerung an Ihre Tätigkeit in Ihrer Familie aufbewahrt werden mögen.«

Das Porträt Denickes wurde 1929 vom Harburger Maler Hermann Müller-Vogelsang (1887-1972) geschaffen.

Das Porträt Denickes wurde 1929 vom Harburger Maler Hermann Müller-Vogelsang (1887-1972) geschaffen.

 

Einer dieser Leuchter ist nun nach Harburg zurückgekehrt. Mit der finanziellen Unterstützung des Museumsvereins Harburg war der Ankauf des silbernen Leuchters, einer sogenannten Girandole, möglich. »Ihrem hochverdienten scheidenden Oberbürgermeister nach fast 42jähriger Tätigkeit gewidmet von der Stadt Harburg 1883–1924« “ heißt es auf der Gravur, die den Fuß des silbernen Tischleuchters kunstvoll verziert. In der Amtszeit Denickes entwickelte sich die aufstrebende Industriestadt Harburg enorm weiter. Bei seiner Berufung zum Stadtsyndikus 1883 lebten in der damals viertgrößten Stadt der preußischen Provinz Hannover rund 20.000 Menschen. Harburg boomte ununterbrochen, 1924 waren es 70.000.

Der 62 Zentimeter hohe, silberne Leuchter: eine Girandole im Empire-Stil.
Die Gravur am Fuß würdigt das Lebenswerk Denickes für die Stadt Harburg.

Der 62 Zentimeter hohe, silberne Leuchter: eine Girandole im Empire-Stil. Die Gravur am Fuß würdigt das Lebenswerk Denickes für die Stadt Harburg.

 

In seiner Zeit als Bürgermeister ab 1899 und als Oberbürgermeister ab 1903 veranlasste und begleitete er vielfach grundlegende Veränderungen. Das Stadtgebiet wurde durch Eingemeindungen vergrößert, Wohnungen für die stetig anwachsende Bevölkerung wurden gebaut. Damit einher ging ein grundlegender Neu- und Ausbau städtischer Infrastruktur. Große Teile Harburgs wurden an ein Abwassernetz angeschlossen, Straßen und Fußwege gepflastert. Das Wasserwerk und das Krankenhaus wurden vergrößert, das Elektrizitätswerk neu errichtet.

Ein besonderer Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik Denickes war der Ausbau der Hafenanlagen. Der Binnenhafen stieß an seine Leistungsgrenze, Industrieansiedlungen stagnierten. Aus dieser Notwendigkeit heraus initiierte Denicke den Bau von drei Seehafenbecken auf dem Gelände des Elbdorfes Lauenbruch. Wenig später war er maßgeblich am Abschluss des 3. Köhlbrandvertrages zwischen Preußen und Hamburg von 1908 beteiligt. Der Elbarm wurde begradigt und in den Jahren 1908-1913 auf 10 Meter vertieft. Dies erlaubte den Verkehr von Hochseeschiffen nach Harburg. Neben Emden und Stettin wurde Harburg in der Folge zu einem der bedeutendsten preußischen Seehafenstädte. Neue Großindustrien siedelten sich nun auf dem Gelände um die Seehafenbecken an.

1926 zog Denicke für die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) in den Hannoveraner Provinziallandtag ein. Noch zu Lebzeiten erhielt der ehemalige „Holzweg“ in Heimfeld seinen Namen. Heinrich Denicke starb mit 88 Jahren am 30. November 1943.


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