ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

von am 19.09.2018 in Archäologie, Ausgrabung

Der Josthof in Salzhausen im Landkreis Harburg wurde bereits 1252 urkundlich belegt. Leider ist das traditionsreiche Gebäude 2017 abgebrannt, was es jedoch Jochen Brandt und seine Kollegen der Bodendenkmalpflege erlaubt, unter den Überresten nach älteren Strukturen zu suchen. 

Zurzeit, also Anfang September 2018, kümmern sich Jochen Brandt und sein Team um die Strukturen des Gebäudes, welches ca. 1830 neu errichtet wurde. 

Die Archäologen haben die klassische Aufteilung eines Bauernhauses vor sich: ein Giebel zeigte zur Straße hin und war vorne durch eine Grotdör gekennzeichnet, durch die man ehemals sogar mit großen beladenen Wagen in die Diele fahren konnte. 

Der Fußboden der Diele bestand aus Kopfsteinpflaster. Dieses ist ziemlich ramponiert, was daran liegt, dass Mitte des 20. Jahrhunderts ein moderner Fliesenboden im Josthof eingebaut wurde. Als Basis dieses Fußbodens wurde Sandmörtel direkt auf die Steine gekippt, was die Säuberung des Befundes schwierig macht. Alte Löcher im Kopfsteinpflaster waren mit Ziegelsteinen aufgefüllt. 

Kopfsteinpflaster aus dem 19. Jahrhundert in der Diele

Ein typischer Hof, wie es der Josthof einst war, verfügt über eine Diele, die längsorientiert war und die links und rechts die sogenannten Kübbungen aufweist, also Nebentrakte, die als Ställe für Vieh wie Schafe, als Lagerräume und ähnliches verwendet wurden. 

Findlinge als Legsteine. Die Ziegelmauerreste stammen aus dem 20. Jahrhundert

Findlinge als Legsteine. Die Ziegelmauerreste stammen aus dem 20. Jahrhundert

Bei den drei Findlingen, die sich in einer Reihe in der linken Kübbung fanden, handelt es sich um Legsteine. Solche Steine dienten als Basis für Ständer, die das Dach getragen und eine Wand gebildet haben, was wiederum zeigt, dass die ursprüngliche Kübbung nur etwa zwei Meter breit war, kleiner als der moderne Josthof. Auf der gegenüberliegenden Seite der Fläche liegt ebenfalls ein Findling, so dass man grundsätzlich weiß, wie dieses Haus aufgegliedert war. Wie die Findlinge datieren, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Sie könnten auch aus einer Zeit vor dem 19. Jahrhundert stammen, da man die Häuser häufig immer wieder neu gebaut hat und ältere Strukturen, wie z.B. die schweren Findlinge, einfach liegen gelassen hat. 

Das Flett mit Lehmfußboden und Kamin.

Das Flett mit Lehmfußboden und Kamin.

An die Diele schloss das sogenannte Flett an, ein Arbeitstrakt, in dem das Hauswerk stattfand. Der hier gefundene Lehmfußboden ist typisch für die Zeit und den Bereich. Die unebene Oberfläche verrät eine starke Nutzung. 

Die Verfärbung weist auf eine Herdstelle im Flett hin

Die Verfärbung weist auf eine Herdstelle im Flett hin

Die rote Verziegelung in einem Bereich des Fletts ist ein Hinweis auf eine ehemals hier gelegene ebenerdige Herdstelle, wie sie typisch für die alten Bauernhäuser in Norddeutschland war. So etwas lässt sich heute z. B. noch am Kiekeberg betrachten.  

Kamin und Fuchs im Flett

Kamin und Fuchs im Flett

Der Kamin im Flett am Ende der Fläche stand hier schon eine Weile, jedoch konnte das Alter noch nicht genau bestimmt werden. Die Tatsache, dass er mit gelbem Sandmörtel gefertigt wurde, legt allerdings eine Fertigung im 19. Jahrhundert nahe. An den Kamin schließt eine Rinne an, deren Ende leider durch den Brand zerstört wurde. Nach Wolfgang Küchenmeister, dem Baudenkmalpfleger des Landkreises Harburg, handelt es sich bei der Rinne um einen sogenannten Fuchs. Das bedeutet, dass sich am abgebrochenen Ende eine Feuerstelle befand, etwa ein Herd, dessen Rauch durch diese Rinne abziehen sollte. Der Fuchs war unterirdisch unter dem Fußboden verlegt und an den Kamin angeschlossen worden und hatte offenbar genug Sogwirkung gehabt, um den Rauch abziehen zu lassen. 

Kamin und Trennbalken – hier begann der Stubentrakt

Kamin und Trennbalken – hier begann der Stubentrakt

Hinter dem Kamin mit dem Fuchs kann man gut die Trennung Flett-Kammerfach ausmachen. Das Kammerfach (bestehend zum Beispiel aus Schlafzimmer, Wohnzimmer und der guten Stube) wurde durch eine Trennwand vom Flett abgegrenzt. Deren Fundament bestand aus einer Lage Feldsteine. Darauf stand entweder eine Ziegelmauer, aber es wurde auch ein alter Schwellbalken gefunden, ein sekundär verbautes Stück Holz. Dieser Teil des ehemaligen Hofes ging zum einen durch den Keller, zum anderen durch den Brand und das Wegbaggern des Bauschutts leider nahezu vollständig verloren. Aber auch hier finden sich Lehmestrich und eine Feuerstelle, die direkt an der Wand lag, ein sogenannter Bilegger. Ein Bilegger war die Heizung für das Kammerfach, wurde aber vom Flett aus befeuert, damit man die Rauchentwicklung nicht in der guten Stube hatte. 

Eine in den Lehmestrich der Diele gefallen und dann wohl hineingedrückte Münze

Eine in den Lehmestrich der Diele gefallen und dann wohl hineingedrückte Münze

Von dem Estrich des Fletts wurden bereits einige Funde geborgen, die nach einer vorläufigen Einschätzung ausschließlich in das 16. Bis 18. Jahrhundert datieren. Das könnte darauf hindeuten, dass der Lehmfußboden wesentlich älter als der Josthof des 19. Jahrhunderts sein könnte. Allerdings weiß man auch nie, ob das gute Geschirr vielleicht über mehrere Jahrhunderte benutzt wurde. 

Ofenkacheln.

Ofenkacheln.

Die Fliesen vom Kamin, der noch bis zum Brand im Hof gestanden hat, stammen zum Beispiel aus der Zeit um 1750. Dass ein älterer Kamin weiterverwendet wurde, ist nicht untypisch, aber so etwas zeigt zumindest, dass hier ältere Bauelemente immer wieder verwendet wurden. 

Mittelalterliche Keramik: harte Grauware.

Mittelalterliche Keramik: harte Grauware.

In den kommenden Wochen werden die Archäologen noch tiefer in den Boden vorstoßen. An einzelnen Stellen konnte bereits mittelalterliche harte Grauware gefunden werden. Es zeichnet sich bereits ab, dass unter dem Lehmestrich der Diele eine mindestens 500 Jahre alte Kulturschicht liegt.  

Das Team bei der Arbeit

Das Team bei der Arbeit

Die Archäologen arbeiten auf der Grabungsfläche des Josthofes ohne Zeitdruck, da es keinen Bebauungsplan oder Bauantrag gibt. Das ist auch gut, so Jochen Brandt, denn so haben alle etwas davon: Die Archäologen können ganz in Ruhe graben, der Eigentümer (der ohnehin schon genug Ärger mit dem Verlust seines Hofes hat) muss die Grabung nicht bezahlen, die Gemeinde, die durch den Brand ein Ortsbild prägendes Baudenkmal verloren hat, profitiert quasi als Trostpflaster von den Ergebnissen der Ortsforschung. Dass das Archäologische Museum Hamburg die Grabung in Eigenregie durchführen kann, funktioniert aber nur mit der Unterstützung des Landkreises Harburg, der die Grabungskosten übernimmt und zudem auch in Form von studentischen Hilfskräften Personal zuschießt. 

 

Hört zu der Ausgrabung in Salzhausen auch unseren Podcast „Slawen, Münzen, Sensationen – Ein Student auf Grabung“


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