ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

von am 30.01.2017 in Archäologie, Ausgrabung

Ich heiße Ghassan Aloda, bin 32 Jahre alt und komme aus Syrien. Seit zwei Jahren bin ich hier in Deutschland. Ich habe von 2002 bis 2006 in Syrien Allgemeine Archäologie an der Universität Aleppo studiert.
Ich habe in Syrien bereits an steinzeitlichen und bronzezeitlichen Ausgrabungen gearbeitet.
2014 bin ich nach Deutschland gekommen und hatte immer den Traum, hier eine Weiterbildung zu machen. Deshalb war ich sehr glücklich, dass ich im Archäologischen Museum Hamburg ein wichtiges Praktikum machen konnte. Es war ein ganz toller Monat, ich habe viel gelernt.
In Syrien haben wir viele archäologische Fundstellen, aber leider haben wir nicht genug Teams. Man konnte lange Zeit nur in Damaskus Archäologie studieren, bevor 2002 auch in Aleppo ein Archäologisches Institut eröffnet wurde. Obwohl es in Syrien 10.000 Flächen und Grabhügel gibt, sorgt die Regierung leider gar nicht für gute Teamarbeit zwischen verschiedenen Archäologen. Pro Grabungsfläche hatten wir nur einen Computer, hier in Deutschland benutzen wir auf einer Grabung verschiedene Geräte zur Dokumentation und Archivierung. Außerdem gibt es hier keine Grenzen zwischen Grabungshelfern, Studenten und Grabungsleitern. Jeder versucht immer ein gutes Ergebnis für das Gesamtprojekt zu liefern.
Ich habe mit netten Leuten hier in Hamburg gearbeitet. Der Leiter der Grabung war Kay-Peter Suchowa. Ein bescheidener und guter Typ. Von ihm habe ich viel gelernt. Ich würde ihn als meinen besten Lehrer bezeichnen.

Ich versuche nun in Deutschland eine Weiterbildung zum Restaurator oder etwas im Bereich der römischen Eisenzeit zu machen. Ich habe im Archäologischen Museum neben der Grabung noch ein Restaurierungspraktikum gemacht. Dies dauerte ein Monat. Aber leider haben mir alle Leute hier gesagt, dass es sehr schwer ist, einen Platz in der archäologischen Restaurierung zu finden.
Ich habe bereits das Deutsch-Zertifikat B2 erhalten und will als nächstes mein C1-Zertifikat machen. Ich finde es ganz wichtig, ein Ziel zu haben. Ich arbeite gerade bei einer Grabungsfirma in Lüneburg auf einer mittelalterlichen Ausgrabung. Ich freue mich sehr, nach zwei Jahren nicht mehr auf das Jobcenter angewiesen zu sein und eine Stelle in meinem Fachgebiet gefunden zu haben.
Übrigens sind die Temperaturunterschiede enorm: In Syrien habe ich nie bei minus sieben Grad auf einer Ausgrabung gearbeitet. Meine Kollegen sind sehr nett und ich lerne jeden Tag viele neue Wörter auf Deutsch.

Ghassan Aloda
Archäologe


Kommentare


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren

ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

#BlogBergung: Hinter dem Haus verscharrt

Weiterlesen

ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

#Blogbergung: Landgewinnung in Hamburg

Weiterlesen

ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

Ausgrabungsbesuch: Bloggt, twittert und fotografiert aus dem Mittelalter!

Weiterlesen