ARBEITSGEMEINSCHAFT PRAKTISCHE ARCHäOLOGIE ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

von Christa Sallam, AG Praktische Archäologie, Bodendenkmalpflege LK Harburg

Die Archäologen in unseren Breitengraden verbringen ihre Arbeitszeit in den Monaten Dezember bis Februar verstärkt im Büro. Wetterbedingt stehen außer baubegleitenden Maßnahmen und Notgrabungen meist keine größeren Außenaktivitäten an. Zeit, um den im Sommer und Herbst liegengebliebenen „Bürokram“ aufzuarbeiten. Grabungsprotokolle und andere Berichte können endlich erstellt oder abgeschlossen werden, Funde werden noch einmal genauer untersucht und Veröffentlichungen und neue Projekte vorbereitet.

Und was machen wir Ehrenamtlichen der AG Praktische Archäologie währenddessen? Genau das Gegenteil! Wir sind jetzt besonders häufig draußen unterwegs. Aber warum gerade in dieser Jahreszeit bei Wind und Kälte oder gar Frost? Warum laufen wir in dicker Kleidung warm eingehüllt und mit heißem Tee im Rucksack durch den Landkreis Harburg? Wir suchen bekannte und registrierte archäologische Bodendenkmale auf, um sie zu kontrollieren. Viele der ca. 4.000 Hügelgräber im Landkreis wurden vor 10, 20 oder gar 30 Jahren das letzte Mal begutachtet. Gibt es sie überhaupt noch, wie sehen sie aus und in welchem Zustand befinden sie sich? Diese Fragen und vieles mehr überprüfen wir Ehrenamtlichen bei unseren Begehungen. Meine Kollegin Cornelia Breitkreuz hat darüber bereits ausführlich in einem Beitrag letzten September berichtet.

Aber zurück zu meiner Ausgangsfrage, warum eigentlich gerade jetzt? Grund hierfür ist die Natur, genauer gesagt die Vegetation. Durch die kälteren Temperaturen und kürzeren Tage mit weniger Licht verlieren bekanntlich die meisten Laubbäume und Sträucher ihre Blätter. Gräser und Farne sterben ab. Die Wälder werden für ein paar Monate lichter und der Boden besser einsehbar. Dadurch sind die Hügelgräber leichter auszumachen und ihr Zustand detaillierter zu beschreiben. Etliche Gräber besitzen nur noch eine Höhe von 20 oder 30 Zentimetern und sind im Hochsommer, wenn Farne und Beerenkraut kniehoch stehen, nur schwer oder gar nicht zu finden.

  

Zwei Beispiele flacher Gräber aufgenommen im Februar/März 2015 in der Gemarkung Buchholz. Im Sommer sind diese Gräber nicht auszumachen.

Die Archäologen arbeiten auch eng mit der Naturschutzbehörde zusammen. Einige Naturschutzmaßnahmen dürfen nur zu gewissen Zeiten durchgeführt werden, z. B. Durchforstungs- und Rodungsarbeiten in den Wäldern. Diese können nur außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten von Vögeln stattfinden, also vornehmlich im Winter. Vor Aufnahme der Arbeiten kontaktiert die Naturschutzbehörde den zuständigen Archäologen und informiert ihn genau über die geplante Aktion. Dieser überprüft in seinem Denkmalregister, ob dadurch Hügelgräber oder andere Bodendenkmale gefährdet sein könnten. Bei solchen massiven Eingriffen in einem Wald kommen oft große und schwere Arbeitsmaschinen zum Einsatz. Kleine, flache Hügelgräber können von dem Gewicht der Maschinen und der breiten Reifen plattgewalzt oder regelrecht zerdrückt werden. Bei größeren Gräbern besteht die Gefahr von Anfahrschäden.

Ein Beispiel für ein angefahrenes Hügelgrab in der Gemarkung Sprötze: eine Rückegasse führt über die linke Seite einer bronzezeitlichen Bestattung.
Ein Beispiel für ein angefahrenes Hügelgrab in der Gemarkung Sprötze: eine Rückegasse führt über die linke Seite einer bronzezeitlichen Bestattung.

 

Gelegentlich ist es allerdings notwendig, vorher die Situation vor Ort noch einmal zu überprüfen. Und hier kommen ggf. wir Ehrenamtlichen wieder ins Spiel und erfahrene Mitglieder werden dann mit einer Überprüfung beauftragt.

So eine Situation ist gerade im Büsenbachtal nahe Handeloh gegeben. Dort wurden in einem kleinen Waldstreifen an der Ostseite der Handeloher Straße die letzten Wacholder und alten Heidekiefern im Rahmen einer Naturschutzmaßnahme freigeschnitten. Zudem ist geplant, die überhand nehmenden Traubenkirschen samt Wurzelballen auszureißen.

Einer der wenigen noch übriggebliebenen Wacholder an der Handeloher Straße wurde inzwischen freigeschnitten.
Einer der wenigen noch übriggebliebenen Wacholder an der Handeloher Straße wurde inzwischen freigeschnitten.

 

Um zu überprüfen, in welchem Zustand sich die in diesem Waldstück liegenden Hügelgräber aus der Bronzezeit befinden und ob sie bei den Rodungsmaßnahmen gefährdet sein könnten, beauftragte der Kreisarchäologe Dr. Brandt mich mit der Untersuchung. Zusammen mit einer Kollegin suchte ich an einem sonnigen, kalten Januarsonntag die Gräber auf, maß sie per GPS ein, fotografierte sie und protokollierte ihren Zustand.

Die Vorbereitungen zur Rodung der Traubenkirschen samt Wurzelballen reichen bis an das Hügelgrab Handeloh Fpl. 16 (im Hintergrund) heran. Hier ist nun für die weiteren Arbeiten eine enge Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Naturschutz gefragt.
Die Vorbereitungen zur Rodung der Traubenkirschen samt Wurzelballen reichen bis an das Hügelgrab Handeloh Fpl. 16 (im Hintergrund) heran. Hier ist nun für die weiteren Arbeiten eine enge Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Naturschutz gefragt.

 

Da das Büsenbachtal für Ausflügler, Touristen und Wanderer ein sehr beliebtes Ziel ist, besonders zur Heideblüte, wird erwogen durch ein oder mehrere Infoschilder auf die Gräber aufmerksam zu machen. Deshalb suchten wir außerdem nach einem möglichen Pfad von der Handeloher Straße durch den Wald zu den Hügelgräbern.

Unsere Kartierungen, Protokolle und Fotos ermöglichen anschließend eine bessere Koordinierung der Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Naturschutzbehörde. Nach Abschluss der Forstarbeiten erfolgt ggf. noch eine Nachkontrolle seitens der Archäologie. Auch dies kann eine Aufgabe für Ehrenamtliche sein. Falls ich sie übertragen bekomme, freue ich mich schon darauf, denn das Büsenbachtal ist zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ausflugsziel.


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