#EISZEITENHH

von am 08.03.2016 in #EiszeitenHH

Hi, ich heiße Lena und bin studentische Praktikantin im Archäologischen Museum Hamburg. Ich werde als „feindliche Klarchologin“, wie ich hier sehr liebevoll betitelt werde, (ich studiere nämlich die Klassische Archäologie;)) die Vorbereitungen zur Ausstellung „EisZeiten“ ein wenig begleiten. Also wende ich mich nun ab von der gewohnten hübsch bemalten Keramik und den ästhetischen Skulpturen der griechischen Gottheiten und blicke auf eine Ausstellung mit steinernen Mini-Mammuts und üppig geformten, nackten Frauenstatuetten- wie sie vor vielen Jahrtausenden zur Eiszeit üblich waren.

Die Anfänge in der Vorbereitung lagen zunächst darin, eine Objektliste der Kleinkunst für die Ausstellung zu erstellen. Also stürzte ich mich kopfüber in die Recherche zu den einzelnen Statuetten und Figurinen: Mehrsprachige Ausstellungskataloge, Sachbücher, Zeitschriften, Artikel und das komplette Internet wurden durchforstet, um Aufschluss über Bezeichnung, Fundort, Material, Datierung, Beschreibung und den Aufenthaltsort zu bekommen. Als erprobte Bibliotheksnutzerin und angehende Archäologin würde ich diese Liste ja wohl in null Komma nichts erstellt bekommen- dachte ich. Die Arbeit zog sich dann doch über einige Tage… Wer hätte auch ahnen können, dass die Eiszeitkünstler so kreativ und vielseitig waren, dass es einfach unsagbar viele Objekte gibt, denen man Beachtung schenken möchte? Interessant dabei ist die Tatsache, dass sich viele der Objekte ganz unabhängig von ihrem Fundort sehr stark ähneln. Es gibt viele possierliche kleine Mammut-Statuetten aus Knochen, Ton oder Elfenbein, die unter anderem in Deutschland in der Vogelherd-Höhle an der Schwäbischen Alb gefunden wurden, andere -nicht weniger putzige Tierchen- in Tschechien in der südmährischen Region Dolní Vestonice.

EisZeiten Objekt

 

EisZeiten Objekt

 

Nebst den niedlichen Mammut-Statuetten sind auch die Venusfigurinen in der Eiszeit ein sehr beliebtes Kunstobjekt gewesen; also die Darstellung einer fülligen, nackten Frau: Die Venus von Willendorf, die Venus vom Hohle Fels, die Venus von Dolní Vestonice, Die Venusfiguren von Gönnersdorf… So viele nackte Frauen findet man sonst nicht einmal in der Sammelumkleide im Schwimmbad! In der Eiszeit jedenfalls waren sie scheinbar ein gefragtes Darstellungsthema, frei nach dem Motto „sex sells“.

Venusfigur EisZeiten St. Petersburg Venusfigur

 

Natürlich gibt es aber auch jugendfreie Darstellungen in Form von verzierten Werkzeugen oder Tierritzungen und den berüchtigten Höhlenmalereien. Zugegeben, ich bin auch auf viele Dinge gestoßen, die für mich nicht mal ansatzweise nach dem aussahen, was in der Objektbeschreibung stand, aber alles in allem muss ich den Eiszeitmenschen für ihre eifrige Kreativität doch gehörigen Respekt zollen und fühle mich nach den ersten Tagen in der kalten Eiszeit warm empfangen.

 

Mammut


Vielleicht habt ihr ja nun Lust, mir in den nächsten Wochen noch ein wenig weiter in die Eiszeit zu folgen – hier passieren bestimmt noch ein paar spannende Dinge, über die ich als „feindliche Klarchologin“ nur mit dem Kopf schütteln kann. 😉


Kommentare

5 Antworten zu “(1) Mein Sprung von den griechischen Göttern in die charmante Eiszeit”

  1. Ulrich Eggert

    Weiss man denn, was der „Stock mit Loch“ und der „Stein mit Strich“ tatsächlich bedeuteten?

    • PraktikantIn

      Hallo Ulrich Eggert,

      ich hab mich da mal schlau gemacht: Der „Stock mit Loch“ diente wahrscheinlich als Werkzeug. Er fungierte vermutlich zur Begradigung von bspw. Elfenbein (da Mammutstoßzähne ja bekanntlich gebogen waren). Von diesen sog. „Lochstäben“ gibt es eine Vielzahl von Funden.
      Und der „Stein mit Strich“ ist leider überhaupt gar kein Stein – Es entpuppte sich als ein Mammutbackenzahn. 😉

      Liebe Grüße
      Lena

      • Ulrich Eggert

        Danke für die Aufklärung! Ich werde Deinen Blog weiter mit großem Interesse verfolgen.

        Herzliche Grüße,

        Ulrich Eggert

  2. Sässi ;-)

    Super geschrieben! 🙂
    Sehr interessant und liest sich, durch deine erfrischende Wortwahl, auch nicht so verstaubt und trocken 🙂

    • PraktikantIn

      Hallo Sässi 😉

      Danke für deine lieben Worte. Es freut mich, wenn dir mein Blog gefällt! 🙂

      Herzliche Grüße
      Lena

Kommentare sind geschlossen.


Das könnte Sie auch interessieren

#EISZEITENHH

Eiszeitkunst: Der Löwe, das Mammut und der fliegende Schwan

Weiterlesen