#AMHONTOUR AMH 2.0

von am 22.10.2017 in #amhontour, AMH 2.0

Es gibt einige Gründe warum ich mich mit meinem #Kultblick bis kurz vor Schluss zurückgehalten habe.
Anais Wiedenhöfer, Volontärin im Verbundprojekt SmartSquare

Einer davon ist, dass so viele tolle #Kultblick Beiträge – über 60!!! – eingegangen sind und ich ganz abgelenkt war vom Lesen. Ein weiterer ist, dass dieser Beitrag mir eine gute Chance bietet, Euch einen kleinen Einblick in die Konferenz „Zugang gestalten“ in Frankfurt zu geben, die ich diese Woche besuchen durfte.

Zugang – das war eines der Topthemen unter den #Kultblick-Beiträgen. Und auch das Archäologische Museum macht sich immerzu Gedanken, wie Schwellen genommen und durch Impulse und Medien auch neue Zielgruppen gewonnen werden können. Eine Strategie dabei ist ganz klar: digitale Kulturvermittlung. Dies nicht nur in den vier Wänden, sondern auch im öffentlichen Raum, sonst wäre ich jetzt nicht hier. (Was ich hier mache, könnt ihr hier nachlesen: Ein Hoch auf Interdisziplinarität)

Und weil ich im Digitalen eine riesen Chance sehe, mehr Menschen zu erreichen und ortsungebunden für Museen und deren Inhalte zu begeistern, begebe ich mich gerne auf Konferenzen, Events oder Workshops – immer auf der Suche nach Inspirationen und Ideen, wie man neue Medien nutzen kann, um kulturelle Inhalte zu vermitteln. Bereits im Start.Camp konnte ich viel über digitale Ansätze und Projekte anderer Museen und Kulturinstitutionen, aber auch von Dienstleistern, erfahren. Nun ging es in Frankfurt unter dem Motto „zusammen arbeiten“ erneut um digitale Kulturvermittlung und dessen Potenziale, aber auch Hürden.

 

In den verschiedenen Panels wurde viel darüber gesprochen, wie die Chancen, aber sicherlich auch die Grenzen der Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik liegen, wenn es um den Schwellenabbau zu kulturellem Erbe in der digitalen Welt geht. Dabei berichteten VertreterInnen unterschiedlichster Online-Plattformen, Biblio- und Mediatheken sowie Archiven von ihren Konzepten und Potenzialen. Das Themenspektrum ging von der simplen Digitalisierung von Datenbanken, zur sinnvollen Verschlagwortung und somit auch um das Zugänglichmachen und über die (immer) wiederkehrende Frage der Urheberrechte. Es wurde stets betont, dass eine gemeinsame Erarbeitung von Regeln und Systematiken sowie das Bereitstellen der Software-Tools nachhaltig Geld, Zeit und vor allem Kraft sparen kann. Warum zum Beispiel wehren sich viele Institutionen gegen Open-Source-Angebote? Wenn man bedenkt, dass viele, wenn auch nicht alle, Kultureinrichtungen gemeinnützig sind, ist die doppelte Entwicklung auch eine Verschwendung von Ressourcen, die gewissermaßen in andere Investitionen fließen könnten, wie zum Beispiel in die Vermittlung.

 

 

Ein klares Fazit der Tagung für mich persönlich ist die Erkenntnis, dass die fortschreitende Technik enorme Chancen bietet, Inhalte in einen neuen Kontext zu setzen und vielfältig zu interpretieren. Nur bedeutet das auch Arbeit. Denn wo liegt der Unterschied zwischen einem staubigen Depot und einer digitalen Sammlung, die nicht nutzbar aufbereitet ist? Obwohl ich vermutlich noch als Digital Native gelte, bin ich die erste, die an Suchfeldern und unsexy gestalteten Webseiten scheitert oder das Interesse verliert. Viele dieser Datenbanken begegnen mir erst jetzt, da ich mich beruflich damit auseinandersetze, obwohl ich schon immer leidenschaftliche Museumsgängerin war und mich immer ärgere, dass ich so viel Zeit damit verschwende, die Werke abzufotografieren. Wie ich wollen viele ihr Lieblingswerk „mitnehmen“, dabei kann man es doch ziemlich sicher auf Europeana in einer guten Qualität finden. Warum werben nicht mehr Museen öfter und offensiver mit ihren Online-Archiven?

Oft wurde deshalb die Frage gestellt: „Digitalisieren – und was dann?“ Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Mir ist bewusst geworden, dass in vielen Fällen die Ressourcen, um die Datenmengen nachhaltig aufzubereiten und auszuspielen, fehlen. Leider reicht der reine Wille zu digitalisieren nicht. Es sollte stärker darüber diskutiert werden, dass es auch Personen mit Know-how bedarf, die diese digitalen Inhalte kontextualisieren und Projekte entwickeln, die einen Nutzen bringen für die UserInnen, (digitalen) BesucherInnen und auch für die Museen, Bibliotheken und alle anderen Kultureinrichtungen.

Jetzt ist die Zeit, mit unterschiedlichsten Medien und Ausspielplattformen zu experimentieren und sich je nach eigenen Ressourcen und Interessensgebieten auf bestimmte Zielgruppen und Kanäle zu fokussieren; dafür dann hohe Qualität und konzeptionell überzeugende Strategien zu entwickeln, aber vor allem nachhaltig zu verfolgen. Es bedarf Mut, diesen Schritt zu gehen und damit eventuell auch Gruppen auszuschließen, vielleicht weckt man damit aber auch das Interesse bisher unerkannter Interessierter.

Mein #Kultblick kommt also aus leicht zugekniffenen Augen, die skeptisch auf den Status quo blicken. Ich schaue nicht weg, im Gegenteil, ich stelle den Blick scharf, probiere aus und trete näher. Dabei hinterfrage ich immer den Mehrwert von Technik und digitalen Angeboten. Ein großer und sehr persönlicher Wunsch ist, dass nicht nur an und in neue Algorithmen und die Verbesserte Usability der Plattformen gedacht und investiert wird, sondern auch von den Verbrauchern ausgegangen wird. Und nicht nur an die: Es wäre wünschenswert, dass auch Stellen geschaffen werden, die sich um die Kuratierung und Zugang dieser Dienste kümmern.

In Frankfurt haben wir noch einen Abstecher in die Ausstellung "Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten" unternommen. v.l.n.r. Anais Wiedenhöfer und Katrin Schröder (Online-Kommunikation und Marketing)

In Frankfurt haben wir noch einen Abstecher in die Ausstellung „Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten“ unternommen. v.l.n.r. Anais Wiedenhöfer und Katrin Schröder (Online-Kommunikation und Marketing)

Die Fotos stammen aus unserer Instagram Story.


Kommentare

Eine Antwort zu “#Kultblick Das Beste kommt nicht immer erst zum Schluss.”

  1. Tanja Praske

    Liebe Anais,

    vielen herzlichen Dank für die Zusammenfassung der Tagung „Zugang gestalten“ – ich las ein bisserl im Netz dazu mit, sofern #KultBlick es zuließ, denn hier rappelte es die letzten Tage enorm und noch ist die Blogparade nicht beendet, sie wird vermutlich nachbrennen! Zu viel, nein, wunderbar viel Denkstoff steht unvermittelt da. Hier habt ihr an eure Nutzer/Leser/Besucher mit der Aktion gedacht. Sie formten den #KultBlick mit und wer weiß, was noch geschieht.

    Ich finde deinen Ansatz richtig und begrüße es sehr, wenn wir mehr werden. Und ja, die Chancen, die sich darüber bieten müssen honoriert und unterstützt werden. Das Digitale kann ergänzend zum Analogen viel Wichtiges leisten.

    Schönen Sonntag dir!
    Herzlich,
    Tanja

    Antworten

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