#EISZEITENHH

von am 24.04.2017 in #EiszeitenHH

Eiszeitkunst

Jetzt reinschauen! Kurator Michael Merkel wurde vom Museumsfernsehen über Tierdarstellungen der Eiszeit interviewt (Ausschnitt).

DER LÖWE AUS DEM LONETAL

Die Löwenfigur, zusammengesetzt aus sechs Fragmenten, hat ein Alter von ca. 35.000 Jahren. Die ausdrucksstarke Figur, die in der Physiognomie große Ähnlichkeit mit Löwendarstellungen aus der Grotte Chauvet in der Ardècheschlucht (Frankreich) zeigt, gehört zu einem Ensemble von mehreren Löwendarstellungen aus dem Aurignacien der Schwäbischen Alb. Ihre Präsenz trug dazu bei, die Kunst dieser Zeit unter das von Joachim Hahn formulierte Motto von »Kraft und Aggression« zu stellen. Auch wenn die Plastik seit jeher als Löwe klassifiziert wird, so kann es sich ebenso um eine andere Großkatze, etwa um einen Panther, handeln. In der paläolithischen Kunst legten die Menschen bei der Darstellung von Tieren häufig einen persönlichen »Filter« an, so dass eine detaillierte Artbestimmung oft nicht möglich ist.

FUNDORT: Vogelherd-Höhle, Lonetal, Ldkr. Heidenheim, Baden-Württemberg; ALTER: ca. 35.000 Jahre vor heute; EPOCHE: Aurignacien; MATERIAL: Mammutelfenbein; LÄNGE: 7 cm
AUFBEWAHRUNGSORT: Museum der Universität Tübingen

DAS MAMMUT AUS DER VOGELHERD-HÖHLE

Dieses Mammut aus Elfenbein besticht durch seine geschwungenen Linien, die an der Artbestimmung keinen Zweifel lassen. Die Oberfläche der kleinen Statuette ist glatt und durch mehrere Reihen kleiner Kreuze verziert. Zwischen den Vorder- und Hinterläufen bestehen Öffnungen, so dass die Figur als Anhänger getragen werden konnte. Der Rüssel ist abgebrochen, wohingegen
die Stoßzähne – wie bei plastischen Darstellungen des Paläolithikums üblich – gar nicht ausgebildet sind. Neben dem Pferdchen aus der Vogelherd-Höhle ist diese Mammutfigur die berühmteste Skulptur der Grabung von 1931. Mit einem Alter um 35.000 Jahre vor heute ist diese Figur eine der ältesten Mammutdarstellungen der Welt.

FUNDORT: Vogelherd-Höhle, Lonetal, Ldkr. Heidenheim, Baden-Württemberg; ALTER: 35.000 Jahre vor heute; EPOCHE: Aurignacien; MATERIAL: Mammutelfenbein;
MASSE: Länge: 5 cm; Höhe: 3 cm; AUFBEWAHRUNGSORT/LEIHGABE: Museum der Universität Tübingen

Fliegender Schwan

Diese Kleinplastik aus Mammutelfenbein stammt von der Fundstelle Mal’ta, 170 Kilometer nordwestlich des Baikalsees in Sibirien gelegen. Sie stellt wahrscheinlich einen Vogel im Flug dar, dessen Flügel ausgebreitet sind. Der Körper wurde abstrahiert gearbeitet und ist kürzer als der lange schmale Hals. Am unteren Ende wurde eine Durchlochung angebracht, die das Objekt als Anhänger auszeichnet. Dies belegen auch die gut sichtbaren Gebrauchsspuren. Insgesamt wurden mindestens 14 solcher Vogelfiguren mit Perforation gefunden, die bis zu 14 cm messen. Eine weitere Figur kann als Schwan angesprochen werden, weshalb die übrigen stilisierten Vögel vielleicht ebenfalls Schwäne darstellen. Die Deutung dieser Figuren als stilisierte Frauenfiguren wurde allerdings ebenfalls schon postuliert. Der Fundplatz von Mal’ta ist vor allem für die 29 sicher bestimmbaren Frauenfiguren weltberühmt. Häufig haben diese Figuren geschnitzte Gesichter sowie komplizierte Frisuren und Kleidungsstücke. Manche Frauenstatuetten besitzen am unteren Ende ebenfalls Durchlochungen. Das Tragen oder Aufhängen derartiger Figuren war also offensichtlich ein Bedürfnis der altsteinzeitlichen Menschen Sibiriens.

FUNDORT: Mal’ta, Sibirien; ALTER: ca. 22.000 Jahre vor heute; EPOCHE: Gravettien; MATERIAL: Mammutelfenbein; HÖHE: 5 cm; AUFBEWAHRUNGSORT/LEIHGEBER: Kunstkammer St. Petersburg, Russland

 

EisZeiten – Die Kunst der Mammutjäger

Das Archäologische Museum Hamburg zeigt mit der Ausstellung »EisZeiten – Die Kunst der Mammutjäger« eine stattliche Anzahl originaler Meisterwerke der Eiszeitkunst aus der Zeit der Anfänge menschlichen Kunstschaffens. Insbesondere die herausragenden Funde aus den Sammlungen in Sankt Petersburg sowie die kleinen Elfenbeinfiguren der Schwäbischen Alb aus den Sammlungen der Universität Tübingen sind herauszustellen, da sie zu den ältesten Kunstwerken der Welt zählen.

In den nächsten Blogbeiträgen möchten wir Euch einige Leihgaben dieser einzigartigen eiszeitlichen Kunst u. a. in Wort, Bild und Video vorstellen!


Kommentare


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren

#EISZEITENHH

Eiszeitkunst: Der Löwe, das Mammut und der fliegende Schwan

Weiterlesen