ARCHäOLOGIE BLOG-BERGUNG

von am 07.07.2017 in Archäologie, Blog-Bergung

#BlogBergung

Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
Archäologie in Deutschland 2014, Ausgabe 1/2014, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 46/47:

Roter Hahn und Blanker Hans

Autoren: K.-P. Suchowa/ Ph. Lüth

 

An der Harburger Schloßstraße wurde 2013 eine weitere Ausgrabungsfläche von 12 m x 21 m geöffnet. Sie liegt unmittelbar südlich des 1628 verfüllten Rathausfleets, eines Wasserlaufs, der die Altstadt Harburgs teilt.

Erst in 2,5 m Tiefe traf man auf ungestörte Kulturschichten. Im Ostteil der Fläche wurde auf 12 m Länge die massive Uferbefestigung erfasst. Zwischen eingerammten Bündeln von Pfählen waren horizontal Rundhölzer aufgestapelt, die eine Knüppelwand bildeten. Der rückwärtige Bereich war mit einer Schicht aus fettem Lehm aufgefüllt, um das dahinter liegende Erdreich vor Ausspülung zu schützen. Dieselbe Schicht zog nach Süden ansteigend über die gesamte Fläche und höhte das Siedlungsareal auf. Am befestigten Ufers wurden vier mächtige, mit starker Neigung zum Fleet eingegrabene, quadratische Holzpfosten dokumentiert, möglicherweise eine Konstruktion zum Be- und Entladen von Schiffen. Alle Hölzer wiesen starke Brandspuren auf, der Lehmauftrag war von einer Brandschicht bedeckt. Funde lassen sich in das 14. Und 15. Jh. datieren.

Abb. 1: Fundplatz 185, Harburger Schloßstraße, Hamburg-Harburg. Übersicht Quadrant II, Flächenzeichnung 65. Uferbefestigung mit dem Rest einer möglichen Krankonstruktion. Spätes 14. Jahrhundert.
Abb. 1: Fundplatz 185, Harburger Schloßstraße, Hamburg-Harburg. Übersicht Quadrant II, Flächenzeichnung 65. Uferbefestigung mit dem Rest einer möglichen Krankonstruktion. Spätes 14. Jahrhundert.

 

Der Befund lässt sich mit den Auseinandersetzungen zwischen Lüneburg und den Lüneburger Herzögen in der zweiten Hälfte des 14.Jh. in Verbindung bringen, wobei die mächtige Brandschuttschicht mit der Zerstörung Harburgs durch die Hamburger im Jahr 1396 zu parallelisieren ist. Bei dem Angriff wurde die Stadt vollständig zerstört und erst 1398 wieder aufgebaut. Davor war Harburg von mehreren Sturmfluten heimgesucht worden, die sich in der westlichen Grabungshälfte durch dicht aufeinander folgende helle Sandschichten nachweisen ließen. Die letzte, 20 cm starke Schicht enthielt zahlreiche Muschelschalen und lag auf der ältesten Uferbefestigung aus Faschinenbündeln, die offenbar der Sicherung des Wurtrandbereiches dienten. Die Sandschichten lassen sich in das 14. Jh. datieren. Insbesondere die letzte könnte mit der Groten Mandrenke in Verbindung gebracht werden, der im Januar 1362 in Nordfriesland mehr als 7000 Menschen zum Opfer fielen.

Dieses letzte Ereignis war sehr wahrscheinlich der Anlass, die Siedlungsfläche weiter aufzuhöhen und das Ufer stark zu befestigen. In diesem Zuge wurde wohl auch der Hafen ausgebaut. Dass auch diese Bemühungen nur 30 Jahre später wieder zunichte gemacht wurden, ahnte damals wohl niemand. Die Kämpfe zwischen der Stadt Lüneburg und dem Landesherren begannen erst im Jahr 1370.

 

Abb. 2: Fundplatz 185, Harburger Schloßstraße, Hamburg-Harburg. Übersicht Quadrant I, Flächenzeichnung 68. Uferbefestigung aus Faschinen mit eingelagerten Schwemmsandschicht. Zweite Hälfte 14. Jahrhundert.
Abb. 2: Fundplatz 185, Harburger Schloßstraße, Hamburg-Harburg. Übersicht Quadrant I, Flächenzeichnung 68. Uferbefestigung aus Faschinen mit eingelagerten Schwemmsandschicht. Zweite Hälfte 14. Jahrhundert.

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