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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
Archäologie in Deutschland 2014, Ausgabe 3/2014, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 46:

Landgewinnung in Hamburg

Autorin: Dr. Elke Först

In der Hamburger Innenstadt werden derzeit zahlreiche Bürogebäude aus den 1960er-Jahren abgebrochen, um Platz für Neubauten zu schaffen. Betroffen davon sind auch mehrere Parzellen in der städtischen Elbmarsch auf der Cremoninsel, die als Stadterweiterungsgebiet in der ersten Hälfte des 13. Jh. geplant kolonisiert wurde.

Mit einer Ausnahme erstreckte sich auf allen Parzellen eine Tiefgarage, die archäologischen Kulturschichten waren dort tiefgründig ausgeräumt. Beim Bodenaushub während der Wintermonate konnten zwischen der Tiefgaragenaußenwand und der östlichen Baugrubenwand in einem schmalen, knapp 3 m breiten Streifen archäologische Befunde dokumentiert werden. Zwei parallel verlaufende Reihen von Eichenpfosten querten leicht diagonal von Norden nach Süden die Baugrube. Bretterwände zwischen den Pfosten lassen den Schluss zu, dass es sich um die Überreste der im Spätmittelalter planmäßig durchgeführten Landgewinnung handelt. Extrem tiefe, aber schmale Holzkästen wurden mit Erde aufgefüllt, dazwischen legte man Entwässerungsgräben an.

Hamburg. Blick nach Süden in die Baugrube auf der Cremoninsel mit den in einer Achse liegenden Kloaken und der Pfostenreihe an der westlichen Grabenkante.
Hamburg. Blick nach Süden in die Baugrube auf der Cremoninsel mit den in einer Achse liegenden Kloaken und der Pfostenreihe an der westlichen Grabenkante.

 

Zu den spätmittelalterlichen Bauresten zählen zwei Kloaken, eine Kastenkonstruktion mit Wänden aus vertikal gesetzten Brettern und ein Ziegelschacht in einem viereckigen Holzkasten. Eine dritte, größere Kloake, die in einer Achse mit den beiden anderen, aber tiefer im Grundstück liegt, sitzt im verfüllten Grabenbereich zwischen zwei Parzellen und zeigt eine andere Bauweise. Der aus Klosterformatziegeln aufgemauerte Schacht mit einem Außendurchmesser von 3,5 m gründete auf einer Lage von Brettern, die infolge der Last im Mauerbereich nach unten gedrückt wurden und sich dadurch aufwölbten.

Entlang der westlichen Grabenkante wurde eine Wasserleitung aus Baumstämmen mit Gefälle nach Norden freigelegt. Die Stämme hatte man der Länge nach durchgesägt. Der so entstandene Deckel wurde später auf den mit einer rechteckigen Rinne versehenen unteren Teil passgenau aufgesetzt. Die Wasserleitung gehörte zur Interessenschaft des Catharinen Feldbrunnens, die ihr Wasser im heutigen Stadtteil St. Pauli von 1534 bis ihrer Auflösung 1869 vornehmlich zum Brauen von Bier aus gesammeltem Quellwasser bezog.

Darüber hinaus fanden sich im Verlauf des in der Neuzeit überbauten Grabenbereiches verschiedene hölzerne Gründungen von bereits abgeräumten Ziegelmauern, die z.T. die älteren Baureste durchschnitten.

 


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