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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
Archäologie in Deutschland 2014, Ausgabe 4/2014, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 46/47:

Hinter dem Haus verscharrt

Autoren: K.-P. Suchowa/ Ph. Lüth

Seit 2012 wird in der Harburger Schloßstraße ausgegraben. Im September 2013 wurde die letzte von vier großen Flächen angegangen. In dem etwa 40 m langen und 15m breiten Areal konnten Siedlungsreste des 13. bis 16. Jh. erfasst werden. Die Wohnbebauung orientierte sich am Verlauf der Straße. Im Zuge der Ausgrabungen konnten auf drei bis vier Parzellen nicht nur die straßenseitig gelegenen Wohnhäuser, sondern auch deren Hinterhöfe freigelegt werden. Diese waren meist durch mehrphasige, sich oftmals überlagernde kleine Pferche aus Flechtwandzäunen gegliedert. Die charakteristische Zusammensetzung der Kulturschichten in diesen Bereichen wird üblicherweise unter dem Begriff Mistschichten zusammengefasst, sodass davon auszugehen ist, dass die Strukturen während des 14. und 15. Jh. als Viehställe dienten. Im Bereich der nördlichsten Parzelle wurden ganze Skelette von zwei Rindern und einem Schwein dokumentiert. Die Tiere lagen in Gruben, die nur wenig größer als ihre Körper waren. In zwei Fällen konnten sie jeweils einem Viehpferch zugewiesen werden.

Das Skelett eines verscharrten Rindes. Der Mageninhalt hat sich als grünliche Verfärbung erhalten.
Das Skelett eines verscharrten Rindes. Der Mageninhalt hat sich als grünliche Verfärbung erhalten.

 

Alle Skelette waren nahezu vollständig. Neben einer dunklen, als Leichenschatten zu deutenden Verfärbung weisen auch die gelblichen Knochen darauf hin, dass die Kadaver ganz in den Boden gebracht wurden. Bei einem Skelett war im Bereich des Torsos der Mageninhalt nachweisbar, der sich als eng umgrenzte, grünliche Verfärbung abzeichnete und charakteristischen Dunggeruch ausstrahlte. Eine nähere Untersuchung der Knochen erbrachte keinerlei Schnittspuren, die auf das Schlachten und die Verarbeitung des Fleisches hinwiesen. Es liegt nahe, das die Tiere an einer Krankheit verendeten, die eine weitere Verwendung ausschloss, und deshalb im Hinterhofbereich verscharrt wurden.

Verschiedene Schriftquellen der frühen Neuzeit belegen, dass kranke Tiere kostenpflichtig vom Scharfrichter außerhalb der Stadt auf dem Schindanger entsorgt werden mussten. Das lässt darauf schließen, dass es durchaus üblich war, verendete Tiere innerhalb der Siedlung zu verscharren. Der Befund dokumentiert eindrücklich die vom Gesetz abweichende Praxis, die vom Eigentümer des Flurstücks möglicherweise bevorzugt wurde, um Mühen und Kosten zu sparen.


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