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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
Archäologie in Deutschland 2014, Ausgabe 5/2014, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 48/49:

Altfund neu gedeutet

Autorin: Dr. ElkeFörst

Bei der Durchsicht alter Fundkomplexe während der Vorbereitungen auf die Sonderausstellung „Mythos Hammaburg“ fiel ein als Deckel bezeichnetes rundes Holzobjekt ins Auge. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich der Gegenstand als hölzerner Rahmen eines Spiegels. Den Rahmen hatte man aus einer knapp 1 cm starken Weichholzscheibe angefertigt. Das gesamte Objekt hat einen Durchmesser von 24,3 cm.
Der Drechsler stellte die eingetiefte Fläche für den Spiegel, der einen Durchmesser von 10,5 cm hatte, im so genannten Querholzdrehverfahren her. Um diese Fläche verläuft eine vertiefte, 1,5 cm breite Randzone. Von der Innenfläche wird die Randzone durch einen ausgesparten Holzring getrennt. ln der Randzone sind in Abständen fünf trapezförmige, dunkle Verfärbungen zu erkennen. Entsprechend einem Vergleichsfund aus der Hansestadt Lübeck handelt es sich dabei um die Abdrücke ehemals an diesen Stellen eingefügter Weichmetallscheiben, die wohl einst verziert waren.

Hölzerner Spigelrahmen aus dem Reichenstraßenfleet

Am Rand der Spiegelfläche sind Reste einer weißen, kittartigen Masse zu erkennen, in die der nicht erhaltene, leicht konvex gewölbte, auf der Rückseite mit Bleifolie belegte Glaskörper eingelassen war. Obgleich Löcher einer entsprechenden Vorrichtung fehlen, dürfte der Spiegel aufgrund seiner Größe nicht aufgestellt, sondern an einer Wand aufgehängt gewesen sein.
Der Spiegelrahmen wurde 1961 während einer baubegleitenden Untersuchung unterhalb des altstädtischen Geestsporns gefunden. Man hat ihn als Lesefund aus dem 1877 zugeschütteten Reichenstraßenfleet geborgen. Anhand schon länger bekannter vergleichbarer Funde, zum Beispiel aus den Hansestädten Lübeck und Rostock, dürfte der Hamburger Fund in das späte Mittelalter beziehungsweise in die frühe Neuzeit zu datieren sein. Der Spiegel stammt somit aus einer Zeit, die in Harnburg archäologisch noch kaum erforscht ist.


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