ARCHäOLOGIE AUSGRABUNG

von am 18.08.2017 in Archäologie, Ausgrabung

von Kay-Peter Suchowa, Judith Kirchhofer

In unmittelbarer Nähe zur Hafencity und zur Elbphilharmonie gräbt das Archäologische Museum Hamburg seit Mai 2017 auf der Cremon-Insel. Untersucht werden dabei die hinteren Bereiche der Grundstücke Bei den Mühren 2-5, die im Norden an das 1946 zugeschüttete Katharinenfleet – die heutige Straße Katharinenfleet – grenzen. Bei der Cremon-Insel handelt es sich um eine Marschinsel im Mündungsgebiet der Alster in die Elbe. Ihr Name leitet sich wahrscheinlich vom ersten im Stadtbuch erwähnten Grundeigentümer „Fredhericum de Crimun“ ab. Die Insel wurde vermutlich erst im 12./13. Jahrhundert besiedelt und dann 1247 zusammen mit dem Katharinenfleet erstmals urkundlich erwähnt. Bisher wird angenommen, dass zu Beginn der Besiedlung ein Ringdeich angelegt wurde, der im Verlauf der heutigen Straßen Cremon, Katharinenstraße, Steckelhörn, Bei den Mühren und Bei dem neuen Kran verlief. Die frühen Grundstücke innerhalb dieser Eindeichung sollen dabei die gesamte Inselbreite eingenommen haben und wären damit jeweils ca. 26-32 m breit und 160-180 m tief gewesen. Im Laufe der Jahrhunderte seien diese Grundstücke zu immer kleineren Parzellen aufgeteilt worden.

Fotos: Peet Behm

Mit der derzeitigen Ausgrabung gilt es, diese bisherigen Ansichten zu überprüfen. Die ältesten Abbildungen der Stadt, auf denen die Cremon-Insel deutlich zu erkennen ist, stammen von Braun und Hogenberg um 1585 und 1588. Auf diesen ist bereits eine kleinteilige Parzellierung mit Hausbebauung bis zum Katharinenfleet zu sehen. Zu dieser Bebauung gehören die jüngsten jetzt entdeckten Hausbefunde, außerdemeine Abfallgrube voller Keramik zur Zuckerhutherstellung; die Scherben datieren in das 18./19. Jahrhundert. Mehr als 100 Zuckerhut- und Melassetöpfe belegen, dass auf dem Grundstück Zucker raffiniert worden ist. Zwischen 1750 und 1850 war Hamburg das Zentrum der europäischen Zuckerraffination. Bezeichnenderweise stand in unmittelbarer Nachbarschaft um 1870 eine Destille: Zur Herstellung von Branntwein wird Zucker benötigt.

 

Schriftliche Nachrichten aus der jüngsten Bebauungszeit berichten, dass die zum Katharinenfleet gelegenen Hausfronten baufällig waren, der herausgefallene Schutt das Fleet verunreinigte und die Schifffahrt gefährdete. Wir erfahren auch beispielsweise, dass 1894 ein Bauantrag gestellt wurde, um eine doppelte Kegelbahn sowie einen Ofen in den Keller eines der untersuchten Häuser einzubauen.

Abwasserleitungen aus Holz und Sandstein zeigen, dass bereits im 16. Jahrhundert Unrat aus den vorderen Dielenhäusern in das Fleet geleitet wurde. Im 15. Jahrhundert jedoch war, wie archäologische Befunde beweisen, der hintere Hofbereich noch unbebaut. Fast 4,5 m unter der heutigen Oberfläche konnte eine alte Uferbefestigung erfasst werden, die zeigt, dass sich das Katharinenfleet um mindestens 2 m Richtung Süden ausgedehnt hat und die Höfe einen offenen Zugang zu diesem geboten haben.

Neben zahlreichen lokalen, aber auch importierten Keramikfunden konnte dort eine Bernsteinperle geborgen werden. Bernstein, das „Gold der Ostsee“, war ein begehrtes Handelsgut, und sicherlich hat sich der Besitzer über diesen Verlust geärgert.

 

Bis zum November 2017 wollen wir noch weitere 1,5 m in die Tiefe gehen, um die Phase der Erstbesiedlung zu erfassen. Welche Rätsel es dabei noch zu entschlüsseln gilt, ist nicht vorherzusehen, und so bleibt es weiterhin spannend.

 

 


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