ARCHäOLOGIE INTERVIEW / PORTRAIT

Das Porträt Ole Uecker
von Jochen Brandt, Kreisarchäologe

Anfang 2017 schlug ein junger Mann im Museum auf und meldete eine ganze Reihe von archäologischen Funden, die er in den letzten Jahren mit einem Metalldetektor im Umfeld seines Heimatortes Kampen entdeckt hatte.
Ole Uecker hatte zu dieser Zeit bereits ein Studium der Vor- und Frühgeschichte an der Universität Hamburg begonnen und dabei gelernt, dass das Suchen archäologischer Funde mit einem Metalldetektor denkmalrechtlich genehmigungspflichtig ist. Schuldbewusst meldete er daher seine Funde, unter denen sich einige hochwertige archäologische Objekte befanden, und sich selbst für den vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege angebotenen Lehrgang für Detektorgänger an.

Ole Uecker
Ole Uecker

Da Herr Uecker alle seine Funde mit ihrer Auffindungsgeschichte und dem Fundort gewissenhaft notiert und sich aus eigenem Antrieb bei der Kreisarchäologie gemeldet hatte, hat er in der Zwischenzeit eine offizielle behördliche Suchgenehmigung für die Gemarkung Kampen erhalten und bereits wieder etliche Funde ans Tageslicht gebracht (s. Rubrik »Fund des Monats«). Zudem nutzte er die Gunst der Stunde und bewarb sich auf die gerade freiwerdende Stelle einer studentischen Hilfskraft in der Kreisarchäologie. Diesen Posten hat er nun seit einigen Monaten inne und unterstützt nunmehr die Kreisarchäologie bei den diversen im Innen- und Außendienst anfallenden Arbeiten.

Neben seinem Studium und seinem Job am Museum geht er weiterhin mit der Sonde und hat außerdem einen besonderen Forschungsschwerpunkt für sich entdeckt: Seit einigen Monaten ist Ole Uecker Mitglied einer ehrenamtlichen Vereinigung, die sich der Aufklärung und Lokalisierung von Flugzeugabstürzen aus dem Zweiten Weltkrieg widmet und hat in diesem Rahmen im Landkreis Harburg bereits die eine oder andere Fundstelle wiederentdeckt, was häufig nur durch die Befragung von Zeitzeugen und akribische Suche im Gelände gelingt. Die Kreisarchäologie registriert solche Absturzstellen neuerdings als Bodendenkmal, auch wenn dort niemals ausgegraben werden wird, denn das ist zum einen wegen möglicher Kampfmittel viel zu gefährlich und zum anderen womöglich sogar eine Störung der Totenruhe, wenn die Piloten nach dem Absturz nicht (in Gänze) geborgen wurden.
Das wiederum nimmt Ole Uecker in sein Studium mit: Archäologische Denkmalpflege bedeutet in der Regel nicht Ausgraben, sondern häufig vielmehr, den Wissensdurst nicht bis zum Letzten zu befriedigen.


Kommentare


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren

ARCHäOLOGIE INTERVIEW / PORTRAIT

Auf der Suche nach dem Verborgenen

Weiterlesen

ARCHäOLOGIE INTERVIEW / PORTRAIT

Unterwegs mit GPS und heißem Tee

Weiterlesen

ARCHäOLOGIE INTERVIEW / PORTRAIT

#BlogBergung: Altfund neu gedeutet

Weiterlesen