AMH 2.0

von am 07.09.2017 in AMH 2.0

Auch Tauschgeschäfte müssen reflektiert werden

Unter dem Motto #ArchaeoSwap haben Ende Juni neun (archäologische) Museen quer durch Deutschland für einen Tag ihre Online-Kanäle getauscht. Nun wollen wir uns noch einmal daran erinnern und fragen uns: War es ein Erfolg? Für wen haben wir das ganze gemacht und warum?

Die Zahlen sagen bekanntlich nur einen Teil aus, trotzdem sind wir stolz, es am Tag des Swaps mit dem #ArchaeoSwap unter die Top 10 auf Twitter geschafft zu haben. Insgesamt kamen 287 Posts zusammen, die von über 91 Usern geteilt wurden. Gar nicht mal so schlecht für den Anfang, oder? Immerhin haben wir mit vereinten Kräften 208.282 Follower erreicht.

Doch nicht alles lässt sich messen. Ziel war es, das Bewusstsein für andere Institutionen bei deren eigenen Fans und Followern zu wecken. Denn darum geht es in Museen: Wissen zu vermitteln und Lust auf mehr zu machen! Geschichte besteht immer aus vielen einzelnen Teilen und Perspektiven – jedes Haus kann immer nur einen Ausschnitt zeigen. Solche Aktionen sollen die Puzzlestücke zusammenbringen, aber vor allem auch zeigen, dass Archäologie und Geschichte Spaß machen. Das Internet und digitale Netzwerke müssen dazu genutzt werden. Bei einem solchen Swap geht es darum, auch etwas über Museen und deren Inhalte zu erfahren, ohne eine lange Reise antreten zu müssen. Und wenn man danach tatsächlich Lust auf einen Ausflug bekommen hat, war es ein doppelter Erfolg.

Aber es geht nicht nur um unsere „Konsumenten“. Auch Kulturinstitutionen können unheimlich viel voneinander lernen und sich unterstützen. Über den eigenen Tellerrand zu gucken kann helfen, neue Medien und Plattformen kennenzulernen sowie Inhalte miteinander zu verknüpfen, wodurch auch wieder neue Geschichten entstehen können.

Jetzt wollen wir mehr:

Besser geht ja bekanntlich (fast) immer! Wir haben aus dem ersten Anlauf gelernt und für das nächste Mal schmieden wir bereits Pläne und träumen von unbegrenzten Möglichkeiten … Zuallererst wäre es natürlich schön, wenn wir mit dem ersten Swap auch andere Museen neugierig gemacht haben, wodurch nächstes Jahr vielleicht noch mehr Häuser mitmachen. Zugegeben – dieses Mal ging alles sehr schnell, die nächste Runde soll unter anderem durch frühzeitige Ankündigungen ebenfalls BesucherInnen dazu animieren, mitzumachen. Live-Streams könnten Einblicke hinter die Kulissen der Museen gewähren und zum Interagieren ermuntern. Denn letztendlich brauchen Museen ihr Audience – ohne Euch BesucherInnen gäbe es uns schließlich nicht! Deswegen machen wir so verrückte Sachen: Jede Gelegenheit von Euch und voneinander zu lernen, wissen wir zu schätzen! So viel von uns am Archäologischen Museum Hamburg.

 

Das sehen wir am Badischen Landesmuseum im Schloss Karlsruhe genauso. Ein Swap eignet sich hervorragend, um sich gegenseitig im digitalen Wachsen zu unterstützen. Wir Museen sind riesige Wissensspeicher und laufen mit Vernetzung erst auf Hochtouren. Die „Duckomenta“ im Archäologischem Museum Hamburg beispielsweise war für uns der Anlass, Darstellungen von Enten bei den Etruskern zu suchen. Also: kein Konkurrenzdenken, aber doch eine implizite Challenge: einen Tag lang die Aufmerksamkeit einer völlig neuen Community haben – wow 😍! Wenn das Online-Redakteure mal nicht zu Superpostings motiviert. „You never get a second chance for the first impression“, zwar der Slogan einer Autowerbung, aber auch hier durchaus passend. So swapt es sich eben nicht mal nebenbei, denn gerade hier gilt es bei jedem Posting einmal mehr zu überlegen, dass die LeserInnen das Haus und die Sammlung eben womöglich gar nicht kennen.
Was solltet Ihr bedenken, wenn Ihr als Museum einen Swap plant?

Tauscht Äpfel gegen Birnen!
Die Museen sind digital sehr unterschiedlich aufgestellt und auf verschiedenen Plattformen vertreten bzw. auch nicht. Die potentielle Reichweite der Kanäle variiert stark. Das muss nicht problematisiert werden, man sollte nur wissen, auf welchen Swap man sich einlässt. Seid Ihr bereit, auch einen Tag auf einem Kanal zu posten, der weniger Follower hat, als Euer eigener? Da sich der Wert von Aufmerksamkeit nicht nur in Zahlen messen lässt, können wir Euch nur dazu ermutigen.

Say hi & bye!
Nicht alle haben mitbekommen, dass heute ein Swap stattfindet. Am besten stellt Ihr Eure Institution zu Beginn des Tages vor und sagt, was heute stattfindet. Wir fanden es bspw. witzig, auch mit regionalen Gepflogenheiten zu spielen bietet sich aber nicht überall an J. Verabschieden macht die Sache rund.

Nehmt Euch Zeit!
Wenn es möglich ist, macht Euch im Vorfeld schon ein kleines Konzept. Was wollt Ihr der unbekannten Community an diesem Tag erzählen? Soll es ein Rundgang durch das Haus mit einigen Highlights sein oder legt Ihr euch thematisch fest? Welche Kanäle wollt Ihr bespielen? Lässt sich ein Video einbauen? Seid am Tag selbst greifbar für Rückfragen und Reaktionen der User – aber auch für Euer Swap-Museum. Haltet Euch den Terminkalender an dem Tag möglichst frei und postet, postet, postet!

Und das wichtigste: Vertraut Euch!
Damit die Person eines anderen Museums für einen bestimmten Zeitraum Euren Kanal bespielen kann, braucht sie Euer Passwort und damit Euer Vertrauen. Der Swap ist sonst nicht machbar. Wenn Ihr Euch im Vorfeld unsicher seid, telefoniert am besten einmal miteinander. Das tun Online-Redakteure zwar sonst eher selten, aber ist doch eine einfache Möglichkeit, um ein paar Dinge abzustimmen;-) Gibt es heikle Themen bei Euch am Haus oder innerhalb der Community? Sowas muss Euer Swap-Partner wissen. Und für Notfälle solltet ihr natürlich erreichbar sein.

#undniedenhashtagvergessen #aufdieschreibweiseachten #archaeoswap 😉

Nachtrag: Eine Überlegung wäre sicherlich als Swap-Gruppe bestimmte Anforderungen festzulegen, beispielsweise eine Mindestanzahl an Postings, die für alle verbindlich sind. Das würde mehr Einheitlichkeit schaffen. Aber womöglich würde es der Sache auch den Spieltrieb nehmen. Denn unsere Swap-Erfahrung zeigt, dass Vieles einfach im Miteinander entsteht, durch Teilen, Liken und Kommentieren eine neue Sinnhaftigkeit entwickelt wird. Ein Anforderungskatalog engt dabei eher ein, oder? Zudem sind Museen personell unterschiedlich ausgestattet; das ist so und auch damit sollten wir als MuseumsmitarbeiterInnen umgehen und niemanden ausschließen.

Denise Rothdiener
denise.rothdiener@landesmuseum.de


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