Komorowski-Madonnen für das Museum

Kay-Peter Suchowa präsentiert stolz eine Komorowski-Madonna.
Kay-Peter Suchowa präsentiert stolz eine Komorowski-Madonna.

Michael Komorowski wurde am 8. September 1905 in Masuren/Ostpreußen geboren. Der Duft von Holz war allgegenwärtig in seiner Kindheit, denn sein Vater war Bau- und Möbeltischlermeister, und so ist naheliegend, dass seine Liebe für den Werkstoff Holz bereits in der Kindheit erwachte. Als er sieben Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Harburg, jener Stadt, mit der er bis zu seinem Tod verbunden bleiben sollte und welche er als Heimat betrachtete. Im Alter von 16 Jahren begann er eine vierjährige Ausbildung zum Holzbildhauer. Seine kritische Haltung gegenüber dem Naziregime zwang ihn 1933, auf einem Bauernhof in Bayern unterzutauchen und brachte ihm später ein Berufsverbot ein. Erwachte in Bayern seine Liebe zur heiligen Mutter Gottes, die ihm den Spitznamen »Der Harburger Madonnenschnitzer« einbrachte, und wie lässt sich seine religiöse Vorliebe für Maria mit seinem Lebenswandel als Bohemien vereinbaren? Angepasstes, bürgerliches Leben schien Michael Komorowski wenig zu behagen, und seine persönliche Freiheit war ihm von hoher Bedeutung. Lebenskonzepte wie materieller Reichtum, Besitz, Sicherheit und Luxus bedeuteten ihm wenig, und bürgerlichen Gesellschaftskonzepten konnte er sich nur schwer unterordnen, und so war er Zeit seines Lebens ein unangepasster, aber auch insgeheim bewunderter und geliebter Bürger dieser Stadt.
Zahlreiche seiner Arbeiten hat er zur Begleichung von Miete, Zeche oder Rechnungen überlassen oder sie gar extra zu diesem Zweck angefertigt, und so ist die Größe seines Gesamtwerkes schwer einzuschätzen. Sein Atelier war über der »Hexenklause« gelegen, einer alten Kneipe am Schwarzenberg, in welcher er oft verkehrte und wo er wohlbekannt war. Alte Harburger sprechen von legendären Kneipentouren. Mit Michael Komorowski wurde es sicherlich nicht langweilig. Die Eigentümer der Hexenklause waren Wilhelm und Liselotte Gause, die so in den Besitz zahlreicher Werke von Komorowski gelangten. Die Tochter der Familie, Sigrid Gause, schenkte dem Harburger Museum 2016 vier Holzskulpturen, welche in den fünfziger Jahren entstanden sind. Hierzu zählen neben einem Portrait der vier Kinder von Wilhelm und Liselotte Gause und einer Putte auch zwei Madonnen. Die Gesichter der Gottesmütter sollen, so erzählte Liselotte Gause, denen von Freundinnen und Musen Komorowskis ähneln. Eine weitere Madonna wurde dem Museum von der Familie Tietz geschenkt. Die Sammlung Komorowski des Stadtmuseums Harburg ist damit um fünf Holzskulpturen reicher geworden. Der besonnenen, milden Wirkung der Madonnen kann man sich bis heute kaum entziehen, und so geht mein Dank in doppelter Weise an die großzügigen Spender.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.