Habt ihr schon etwas gefunden?

Wer im vergangenen August und September an der Harburger Schloßstraße entlanglief, wird beobachtet haben, dass Archäologen auf der Baustelle gegenüber dem weißen Thörlgebäude in einer Baugrube zu Gange waren, und zwar unmittelbar hinter der noch offenliegenden, inzwischen zum begrünten Teich mutierten Grube, die in den Jahren 2013 und 2014 bereits archäologisch untersucht worden war. Wie gewohnt fragten viele Passanten und Anwohner interessiert nach, ob wir, die Autorin und Kay-Peter Suchowa vom Archäologischen Museum Hamburg, schon etwas gefunden hätten. Als Reaktion auf diese Frage schaute ich meist verwundert, blickte um mich und wusste nicht, wo ich zuerst hindeuten sollte. Wenn man sich umschaute, waren die Reste eines Weges aus Rundhölzern, eines sogenannten Knüppelweges, Pfosten und Ständer von Fachwerkgebäuden sowie weitere, undefinierte Rundholzlagen offenkundig zu sehen. Es handelt sich dabei zwar nicht um monetär wertvolle Artefakte aus Gold, aber um wichtige, neue Hinweise zur Siedlungsentwicklung Harburgs, über die aus historischen Textquellen kaum etwas bekannt ist.

Ausgrabung Harburger Schloßstraße
Die Autorin beim Dokumentieren auf der Baustelle. Vorne rechts kein Knüppelweg, sondern die Rundholzlagen einer vermuteten Wurtbefestigung. Foto: © AMH

Diesen Erkenntnisgewinn haben wir dem Umstand zu verdanken, dass für die Baustelle nebenan (Projekt Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal) Erdmaterial benötigt wurde. Wie zu erwarten, tauchten beim Bodenaushub archäologische Überreste der Häuser auf, die in ihrem vorderen Bereich vor drei Jahren ausgegraben wurden. Im Wesentlichen konnten wir Informationen über die Anlage, den Ausbau und die Befestigung von Siedlungshügeln, sogenannten Wurten, gewinnen sowie über die Ausdehnung und den Hinterhofbereich der ehemals an der Harburger Schloßstraße gelegenen Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Solch verheerende Ereignisse wie Stadtbrände können Archäologen bei der Datierung sehr nützlich sein. Die zwei Stadtbrände in Harburg von 1536 und 1564 hinterließen deutliche, schwärzliche Schichten mit Asche und verkohlten Überresten in der Erde. Die unter- oder oberhalb dieser schwarzen Bänder liegenden Funde und Befunde können so zeitlich zugeordnet werden. Wir können also sagen, dass der Knüppelweg im Norden, der aus mehreren, immer wieder erneuerten Holzlagen besteht, vor 1536 errichtet und gleichzeitig mit einem Haus genutzt wurde, das 1536 abbrannte. Der ehemalige Weg führte bis zur heutigen Harburger Schloßstraße hin; seine Fortsetzung wurde in der vorhergehenden Ausgrabung dokumentiert. Wenn die Schmutzschicht auf dem Weg höher wurde als die Absätze der Trippen, der damaligen Unterschuhe, legte man schlicht eine neue Holzlage obendrauf und hatte wieder einen sauberen Gehweg.

Den Rückgiebel des Hauses, dessen vorderer Teil bereits 2013 teilweise ausgegraben worden war, konnten wir auch ausfindig machen. Er fluchtet in etwa mit der früheren Rückwand des südlich gelegenen Bornemannschen Hauses mit der heutigen Hausnummer 13. Somit beträgt die Gesamttiefe des Hauses ca. 29-30 m. Beim Ausgraben des Bereichs hinter dem Haus konnte man schon am Geruch erahnen, dass es sich um einen Stall- bzw. einen Pferchbereich gehandelt hatte, der umzäunt war.

Die eingangs erwähnten Wurten wurden errichtet, damit die Hausbewohner nicht immer nasse Füße bekamen. Mehrere Lagen von direkt übereinander liegenden Hausfußböden deuten darauf hin, dass dies trotzdem geschah. Wohl deshalb wurde die Wurt auch schon vor dem Stadtbrand von 1536 erweitert und erhöht. Auch heute noch dringt das Schichtwasser zwischen den Fußbodenlagen hervor, und die Archäologen wurden vor nassen Füßen nicht verschont.

Im Süden der Ausgrabung, auf einer weiteren Wurt, standen die Reste eines Hauses, das nach 1536 errichtet worden war. Die zwei Wurten waren durch einen so entstandenen Graben getrennt, der noch vor dem 16. Jahrhundert mit Flechtwerkzäunen stabilisiert wurde. Die Rundholzlagen im Süden, die wir zuerst auch als Knüppelwege ansprachen, erwiesen sich bei näherer Betrachtung aufgrund ihres bogenförmigen Verlaufes auch als Wurtbefestigungen. Die Parzellengrenze verläuft heute noch dort, wo die Senke zwischen den Wurten lag. Diese bereits vorhandene Vertiefung nutzte man, um eine moderne Wasserleitung aus Steingut zu verlegen. Bis in junge Zeiten wird also auf alten Baustrukturen und Parzellenaufteilungen aufgebaut.

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