Ein klassischer Archäologe erforscht die eiszeitliche Fauna

Für die EisZeiten-Ausstellung und den dazugehörigen Katalog benötigt man neben den Objekten und passenden Texten auch immer wieder Grafiken, die bestimmte Sachverhalte illustrieren – so zum Beispiel, in welchen Zeiträumen eiszeitliche Tiere gelebt haben. Bevor unsere Grafikerin diese Darstellung herstellen kann, braucht sie natürlich Informationen. Und da kommen die Archäologen ins Spiel!

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Mit detailgetreuen Skizzen habe ich als Archäologe und Illustrator eine kleine Chronologie angelegt, wobei ich vor allem darauf geachtet habe, die Tierchen besonders niedlich zu gestalten. Möglicherweise etwas wichtiger war es allerdings, darauf zu achten, dass die gezeigten Zeiträume die Existenz der Tiere in Norddeutschland wiedergeben. Mammute hat es zum Beispiel schon seit fast 6.000.000 Jahren gegeben, doch erst vor etwa 800.000 Jahren kamen sie als Wollhaarmammute nach Nordeuropa. Auch das Aussterben verlief unterschiedlich: Während die jüngsten Mammutfunde in Nordeuropa (genauer: in Russland) ein Alter von etwa 10.000 Jahren aufweisen, überlebte eine kleine Mammut-Population auf den Wrangel-Inseln länger und starb erst vor 4000 Jahren aus. In der Zeichnung wird das Aussterben der Tiere bzw. das Ende des Zeitstrahls durch einen Blutfleck dargestellt, der symbolisch auf die sogenannte „Overkill-Hypothese“ (die Eiszeit-Tiere wurden allein von menschlichen Jägern ausgerottet, nicht z.B. vom Klimawandel) verweist. Leider hat unsere Grafikerin das aber nicht so übernommen.

EisZeiten

Weitere beliebte Eiszeittiere sind das Wollnashorn, der Riesenhirsch (hier als „Megaloceros“ bezeichnet) und der Höhlenlöwe. Das Rentier und der Braunbär haben zwar als Arten schon ein paar Jahre auf dem Buckel, existieren aber heute noch in einer ähnlichen Form. Laut meiner Skizze existiert der Höhlenlöwe ebenfalls heute noch. Das ist natürlich nicht korrekt, in der Tat starb er vor 13.000 Jahren aus. Hier zeigt sich jedoch, dass die Vorbereitung einer Ausstellung je näher der Eröffnungstermin rückt immer stressiger wird. Wenn einen dann noch die Kollegen mit eiszeitlichen rekonstruierten Waffen überraschen, können sich solche Fehler schon einmal einschleichen.

Euer feindlicher Klarchologe Bent

Unter dem gemeinsamen Titel „EisZeiten“ (Hashtag #EisZeitenHH) führen das Archäologische Museum Hamburg und das Museum für Völkerkunde Hamburg ihre Besucher bis zum 14. Mai 2017 in diese einzigartige Welt

2 Gedanken zu „Ein klassischer Archäologe erforscht die eiszeitliche Fauna

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