Archivar aus Leidenschaft

Portrait: Dieter Schröder

Im Jahr 1972 wurden die Archivbestände zur Geschichte der Archäologie in Hamburg von den vier Museen – Museum für Völkerkunde Hamburg, Museum für Hamburgische Geschichte, Altonaer Museum sowie des MKG – im Archäologischen Museum Hamburg, Stadtmuseum Harburg|Helms-Museum zusammengeführt. Das Schriftgutarchiv besteht seitdem aus unterschiedlichen, derzeit kaum recherchierbaren Beständen. Das Archiv ist deshalb für die Forschung und Anfragen von Dritten nur eingeschränkt nutzbar. Die Strukturierung dieser vielfältigen Bestände und die Neuorganisierung der Archive nach aktuellen Standards hat Dieter Schröder in Nebentätigkeit mit großer Leidenschaft übernommen.

Im Archiv: Dieter Schröder
Im Archiv: Dieter Schröder

Der gebürtige Hamburger studierte von 1983 bis 1990 Geschichte und Politologie in Hamburg. Schon damals verschrieb sich Dieter Schröder mit Leib und Seele der Erforschung und Bewahrung von interessanten Quellen und zeitgeschichtlichen Dokumenten. Er begründete 1990 das Archiv der sozialen Bewegung Hamburg in der Roten Flora mit, um Flugblätter, Plakate und Zeitungen der Autonomen zu bewahren und für spätere Generationen zugänglich zu machen. Seit 1992 ist Dieter Schröder hauptberuflich als Archivar am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig, wo er sich intensiv mit Zeitgeschichte, schwerpunktmäßig mit dem Nationalsozialismus und den Neuen Sozialen Bewegungen beschäftigt. Seine Leidenschaft für Archäologie, welche Dieter Schröder auch in der Freizeit nicht loslässt, führte den Archivar schließlich über Umwege ans Archäologische Museum Hamburg. 2005 verschlug es ihn an den Wochenenden nach Gokels  –  eine kleine Gemeinde in Schleswig-Holstein am Nord-Ostseekanal. Auf zahlreichen Spaziergängen fielen ihm die vielen, großen Hügelgräber auf, und es entstand die Idee, die Besiedlungsgeschichte der Gemeinde zu recherchieren. Nach langen Studien fiel bei der Auswertung der Ortsakten auf, dass sich ein erheblicher Teil der Funde nicht in Schleswig befanden, sondern in Hamburg. Der Lehrer Heinrich Schlüter hatte in den 1880er Jahren systematisch alle Hügelgräber in Gokels und Umgebung in seiner Freizeit ausgegraben, die Funde allerdings nicht an das Museum vaterländischer Altertümer, damals in Kiel, abgegeben, sondern an das Museum für Völkerkunde in Hamburg verkauft, um sein schmales Lehrergehalt aufzubessern. So kam Dieter Schröder 2009 über das Museum für Völkerkunde in das Helms-Museum, um sich die Funde und Ortsakten aus Gokels anzusehen. Er bekam Zugang zu den Funden, insbesondere den Ortsakten. Diese zu sichten bedeutete viel Arbeit und Geduld, denn es gab keine Übersichten und die Bestände lagerten an verschiedenen Orten. Dabei entstand die Idee die Funde zu digitalisieren und zu archivieren.

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Seit 2010 baut Dieter Schröder das Archiv stetig weiter auf. Er sichtet, strukturiert und entwickelte eine Gesamtsystematik für das Historische Archiv (1898-1985) des Archäologischen Museums Hamburg, Stadtmuseum Harburg|Helms-Museum sowie der Bodendenkmalpflege. Dabei erstellt er verschiedene Findbücher für die einzelnen Bestände, entscheidet bei der Fülle an Quellen und Dokumenten, welche relevant für die Einordnung und Forschung sind und hebt so ganz sicher noch den ein oder anderen historischen Schatz.

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