#BlogBergung: Vor dem Heidenwall

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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.

Archäologie in Deutschland 2013, Ausgabe 3/2013, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 44:
Vor dem Heidenwall
AID-Korrespondentln: Dr. Elke Först, Archäologisches Museum Hamburg

 

Die Silhouette Hamburgs wird von den Türmen der fünf Hauptkirchen geprägt, die mit Ausnahme der in der Elbmarsch im Erweiterungsgebiet des 13. Jh. gelegenen Katharinenkirche alle am alten Hauptverkehrsweg durch die Stadt liegen. Der Weg verläuft auf dem Geestsporn der Altstadt von Osten nach Westen entlang Steinstraße, Speersort, Rathausstraße, Große Johannistraße und führt über die Mühlenbrücke an der Alsterfurt in das 1188 vom Schauenburger Grafen Adolph 111. gegründete Kaufmannsquartier am Hopfenmarkt. Der östliche Streckenabschnitt Steinstraße lag bis zum Mauerbau um 1260 vor der Stadt, die am Speersort durch den vermutlich im frühen 11. Jh. aufgeworfenen Heidenwall geschützt wurde. An der Steinstraße wurde im 13. Jh. die 1255 erstmals urkundlich genannte Kirche St. Jacobi errichtet, die 1264 Pfarrkirche des vorwiegend von Handwerkern und Arbeitern bewohnten Kirchspiels gleichen Namens wurde.

Hamburg. Blick auf das Ostprofil am Furmfundament der Hauptkriche St. Jacobi. Links unten ist unter den hellen Lehmfußböden eine Pfostengrube mit Pfosten zu erkennen.
Hamburg. Blick auf das Ostprofil am Furmfundament der Hauptkriche St. Jacobi. Links unten ist unter den hellen Lehmfußböden eine Pfostengrube mit Pfosten zu erkennen.

Über die frühe Besiedlung der Vorstadt St. Jacobi ist wegen fehlender archäologischer Untersuchungen kaum etwas bekannt. Zufallsfunde, die seit 1909 beginnend mit dem U-Bahnbau in der Mönckebergstraße verschiedentlich bei Baumaßnahmen geborgen wurden, lassen eine Besiedlung erst ab dem Spätmittelalter erkennen. Eine lockere Bebauung im 11. und 12. Jh. beiderseits der auf die Toranlage des Heidenwalls zulaufenden Steinstraße kann jedoch vorausgesetzt werden.

Erste Hinweise hierauf lassen sich in den Profilwänden einer im Oktober letzten Jahres angelegten Sondage am Außenmauerwerk des Kirchturms St. Jacobi ablesen. Die Sondage hatte wegen Setzungsrissen in den Turmmauern zum Ziel, die Standsicherheit der Bohlenlage unter dem Feldsteinfundament der Kirche zu prüfen. In den Profilen des 3 m tiefen Sondageschachtes zeigte sich ab einer Tiefe von 2 m unterhalb der modernen Deckschichten und einer mit Skelettresten durchsetzten Schicht des 1803 aufgelassenen Kirchfriedhofes ein Kulturschichtenpaket von wenigstens 0,5 m Stärke. Eingebettet sind zwei Lehmfußböden mit aufliegenden Laufhorizonten, die von älteren Fachwerkgebäuden stammen. Zu den ältesten, darunter liegenden Baubefunden zählen zwei in den gewachsenen Boden von der alten Oberfläche eingegrabene Pfostengruben. Die Baugrube des in die Neuzeit zu datierenden abgetreppten, auf Feldsteinen gegründeten Turmziegelfundamentes durchschlägt alle Kulturschichten. Eine Bohlenlage unter den Feldsteinen wurde nicht erfasst. Offenbar handelt es sich um vorgesetztes Ziegelmauerwerk zur Stabilisierung des im Spätmittelalter erbauten Turms.

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