#BlogBergung: Handel und Wandel jenseits der Elbe

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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
In den ersten Artikeln geht es um die umfangreichen Ausgrabungen im Bereich der Harburger Schloßstraße in Hamburg. Die Ergebnisse der Ausgrabung zeigen wir noch bis zum 10. April 2016 in unserer Sonderausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“.

Archäologie in Deutschland 2013, Ausgabe 1/2013, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 46/47:
Handel und Wandel jenseits der Elbe
von Ph. Lüth, K.-P. Suchowa/AID-Korrespondentln: Dr. Elke Först

Im Vorfeld des Projektes »Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal« der Internationalen Bauausstellung finden in der Harburger Schloßstraße großflächige Ausgrabungen statt (vgl. AiD 6, 2012, S. 50f.). Bis zum Oktober 2012 wurden zwei Grabungsflächen von jeweils 300 m2 im nördlichsten und südlichsten Bereich geöffnet.
Im Zentrum der südlichen Fläche konnte ein Flurstück vollständig erfasst und die lückenlose Bebauung der Parzelle bis in das 13. Jh. nachgewiesen werden. Drei der insgesamt acht Bauhorizonte wiesen massive Brandspuren auf, die den historisch belegten Stadtbränden von 1396, 1536 und 1564 zugeordnet werden können. Diese Interpretation wird durch den Fund eines Rechenpfennigs abgesichert. Die Münze wurde 1555 geprägt und stammt aus dem obersten in das Jahr 1564 datierten Brandhorizont.

Harburger Schloßstraße, Rechenpfennig vom Venus-Typ von Jörg Schultes (1515-1559) aus Nürnberg

Neben einem ungewöhnlich reichen Keramikspektrum fallen Waffenfunde auf. Aus den neuzeitlichen Schichten liegen zahlreiche Projektile und Fragmente von Feuerwaffen vor. In den spätmittelalterlichen Horizonten wurden Teile von Armbrüsten gefunden, die auf eine Produktion vor Ort hinweisen. Weitere Funde aus militärischem Zusammenhang wie Lanzenspitzen, Sporen und Fragmente von insgesamt fünf Kettenhemden bieten das Bild eines durch die Nähe zur Burg und späterem Schloss und Festung geprägten Ortes.


Im zweiten Grabungsfeld wurden zwei Flurstücke erfasst, wobei auf der nördlichen Hälfte bis in das 15. Jh. keine Bebauung nachgewiesen werden konnte. Die älteste Bebauung auf der südlichen Hälfte ist in das 16./17. Jh. zu datieren. Es handelt sich um ein Feldsteinfundament, das auf 23 m Länge freilegt wurde. Parallel lag ein 4,10 m breiter Pfostenbau. Nördlich davon wurde ein Holzbohlenweg nachgewiesen, der gleichzeitig existierte. Die beiden Gebäude reichen bis in eine torfige Auffüllschicht hinein, aus der zahlreiche Scherben weißen Siegburger Steinzeugs aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. geborgen werden konnten.
Das Fehlen einer Wohnbebauung im nördlichen Teil der Grabungsfläche kann mit dem bisher nur aus schriftlichen Quellen bekannten alten Markplatz gegenüber dem Rathaus in Verbindung gebracht werden. Die erfassten Gebäude können als eine Schrangenbebauung in Form eines Anbaus mit Pultdach oder einer freistehenden Halle interpretiert werden, wie sie aus Lübeck, Bremen oder Flensburg bekannt ist.

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