#BlogBergung: Vom Straßendorf zur Stadt

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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
In den ersten Artikeln geht es um die umfangreichen Ausgrabungen im Bereich der Harburger Schloßstraße in Hamburg. Die Ergebnisse der Ausgrabung zeigen wir bis zum 10. April 2016 in unserer aktuellen Sonderausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“.

Archäologie in Deutschland 2012, Ausgabe 6/2012, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 46/47:
Vom Straßendorf zur Stadt
von Ph. Lüth/AiD-Korrespondentin: Dr. Elke Först

Jenseits der Elbe liegt der südlichste Stadtteil Hamburgs: Hier wurde auf einer Talsandinsel am ‚Ufer der Süderelbe das zwischen 1133 und 1137 erstmals erwähnte Harburger Schloss erbaut. Selbst unter Einheimischen ist nur wenigen bekannt, dass sich in der Harburger Schloßstraße, die das Schloss mit der nur 500 m entfernten Geest verbindet, das Zentrum der mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadt befand. Harburg wird erstmals 1164 erwähnt und erhielt bereits 1297 das Lüneburger Stadtrecht. Seine Blütezeit begann mit der Regentschaft der Harburger Herzöge, die zwischen 1527 und 1642 Schloss und Stadt zu einer repräsentativen Residenz ausbauten.

Im Vorfeld des Projektes »Maritimes Wohnen am Kaufhauskanal« der für 2013 geplanten Internationalen Bauausstellung begannen Anfang 2012 großflächige Grabungen in der, Harbuger Schloßstraße. Während des auf zwei Jahre geplanten Projektes sollen vier Flächen mit über 1200 m2 untersucht werden. Durch Bohrungen konnten Kulturschichten von etwa 5 m Mächtigkeit ermittelt werden, wobei Schichten mit Funden teilweise direkt unter der Oberfläche anstehen. Vorausgegangene kleinere Ausgrabungen hatten gezeigt, dass in der gesamten Schlossstraße mit einer ausgezeichneten Erhaltung aller organischen und metallischen Materialien zu rechnen ist.

Hamburg, Harburger Schloßstraße. Knüppelweg aus dem 16. Jh.

Gegenüber älteren Untersuchungen soll nun versucht werden, über mehrere Grundstücksgrenzen hinauszugreifen, um die Entwicklung vom Straßendorf zur konzipierten Stadt nachzuvollziehen. Erste Ergebnisse weisen auf eine spätestens ab dem beginnenden 16. Jh. entwickelte, klar strukturierte Parzellierung hin, die durch Grundstücke mit angrenzenden Wege und Zaunverläufen gegliedert zu sein scheint. Die heute noch dominierende enge, kleinräumige Einteilung der Grundstücke geht wahrscheinlich auf eine planmäßige Neustrukturierung nach einem Stadtbrand im Jahr 1532 zurück.

Funde und Befunde deuten auf eine gute Anbindung der kleinen Stadt an die europäischen Handelsnetzwerke hin. Neben Fundstücken aus den bekannten Produktionszentren treten jedoch auch Exoten wie Fayencen aus Portugal oder chinesisches Porzellan auf, welche die besondere Stellung Harburgs in der unmittelbaren Nachbarschaft der großen Hansestadt Hamburg hervorheben.

 

Hamburg, Harburger Schloßstraße. Freilegung eines Steckenzauns des 16. Jh.

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