#BlogBergung: Noch ein Tor für Hamburg!

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Für Euch aus unserem Archiv gehoben! Unsere Beiträge der letzten Jahre in der Zeitschrift „Archäologie in Deutschland“.
In den ersten Artikeln geht es um die umfangreichen Ausgrabungen im Bereich der Harburger Schloßstraße in Hamburg. Die Ergebnisse der Ausgrabung zeigen wir derzeit in unserer aktuellen Sonderausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“.

Archäologie in Deutschland 2012, Ausgabe 5/2012, Aktuelles aus der Landesarchäologie, S. 51:
Noch ein Tor für Hamburg!

Beim Ausheben der neuen Sielleitungstrasse, die wegen der Entdeckung des Haupttorgebäudes der Harburger Festung verlegt worden war, stieß der Bagger nun erneut auf massive Hindernisse. Diese entpuppten sich als Überreste des 1591 neu erbauten vorderen Torhauses. Alte Ansichten des Harburger Schlossen von 1620 und 1654 zeigen die Außenfassade, drei reich im Renaissancestil verzierte Giebel mit Werksteinen aus Sandstein. Durch den vorgesetzten mittleren Giebel verlief das Torgewölbe, an das sich
das hintere Torhaus anschloss. Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges wurde das vordere Torhaus durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und kurz nach 1757 – nach dem archäologischen Befund bis auf Ziegelfußbodenhöhe des Erdgeschosses abgebrochen.

Hamburg. Blick in die Sielleitungstrasse mit den Wasserleitungen und den Brückenpfählen.
Hamburg. Blick in die Sielleitungstrasse mit den Wasserleitungen und den Brückenpfählen.

Die Sielleitungstrasse erfasste die Grundmauern des äußeren rechten Giebels und die Ecke des ansitzenden, vorspringenden Hauptgiebels mit dem Torgewölbe. In diesem Teil des Gebäudes befand sich die Stube und Kammer des Amtsschreibers, in denen die Gelder und Register aufbewahrt wurden. Die in Schalenmauertechnik errichteten Ziegelmauern mit einer stattlichen Breite von 1,28 m gründen vorne auf einem imposanten Fundament aus rechteckig behauenen, auf Stoß gesetzten Granitblöcken. Hinten, dem Eingang abgewandt, besteht das Fundament hingegen aus nachlässig gesetzten, unbehauenen Findlingen, deren Zwischenräume mit Ziegelbruch gefüllt sind. Umbaumaßnahmen zeigen sich in zugemauerten Durchgängen unterhalb des Erdgeschossfußbodens, die auf die Existenz eines später verfüllten Kellers hinweisen.
Vor der Hauptgiebelecke des Torhauses, das ursprünglich an den inneren Schlossgraben grenzte, konnten mehrere quadratisch behauene Eichenpfähle dokumentiert werden. Sie gehören zur hölzernen Brückenkonstruktion, die auf das Torgewölbe zuführte. Zwischen den Pfählen verläuft eine hölzerne Wasserleitung, an der sich nach Westen eine Abzweigung anschließt. Beide Wasserleitungen sind nach Norden und Westen durch das Ziegelfundament eines zur Schiffswerft Holtz gehörigen Gebäudes abgeschnitten, die das Harburger Schloss in der Zeit von 1900 bis 1959 als Wohnhaus, Firmensitz und Betriebsgelände nutzte. Die in Richtung Norden verlaufende Wasserleitung führte durch das Torgewölbe und speiste den im Innenhof gelegenen Brunnen, während die westliche Abzweigung offenbar einen frei stehenden Steigpfosten
mit Wasserhahn vor dem Schloss mit Wasser versorgte.

Hamburg. Blick auf den Fundamentsockel des vorderen Torhauses aus Granitblöcken.
Hamburg. Blick auf den Fundamentsockel des vorderen Torhauses aus Granitblöcken.

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