Interview mit Nadja Casper

Viele aufregende Entdeckungen verstecken sich in Museen oft hinter den Kulissen. In vielen Fällen brachten strebsame Forscher über Generationen ein Sammelsurium zusammen, in dem im Film nur ein runzliger Kobold mit Laterne einen über viele Umwege zu dem gesuchten Artefakt führen könnte. Nicht ohne Grund verarbeitete das Ägyptische Museum in Kairo in der Ausstellung „Meisterstücke aus dem Keller“ die langwierige „Ausgrabung“ in ihrem Untergeschoss. Selbst ein scheinbar kleines Museum wie das AMH hat im Laufe seiner über hundertjährigen Geschichte das x-fache seiner Ausstellungsfläche zum Lagern seiner Funde in Beschlag genommen. Das Herz einer jeden archäologischen Sammlung schlägt im Metallmagazin. In kühler Lichtlosigkeit werden neben Alltagsgegenständen wie Werkzeug, Geschirr, Knöpfen, Münzen, Nadeln und Nägeln auch Waffen und Kunsthandwerk vor dem Verfall bewahrt. Damit wir auch weiterhin allen Standards gerecht bleiben, ist vor einigen Jahren das alte Metallmagazin in ein neues, modernisiertes umgezogen. Damit begann gleichzeitig die Neuinventarisierung, um die Arbeit vieler in ein einheitliches System einzupflegen. Federführend ist hier Nadja Casper. Die gebürtige Rostockerin studiert in Hamburg Klassische Archäologie und beginnt gerade mit ihrer Master-Thesis. Sie arbeitet seit 2009 als Studentische Hilfskraft am AMH und ist ein wahrer Glücksgriff. Im Interview erzählt Sie lachend von ihrem Ordnungsfimmel und dem guten Gefühl, das Sie empfindet, wenn Sie unseren Artefakten ein sicheres Zuhause geben kann.

Nadja Casper
Nadja Casper

Arbeitest du nach einem vorgegebenen System, oder hast du ein eigenes für die Inventarisierung entwickelt?
Das eigentliche System war natürlich vorgegeben. Ich arbeite mich alphabethisch durch unsere Fundkomplexe, wobei ich das „Ausland“ und die anderen Bundesländer bereits fertig bearbeitet habe. Jetzt gerade arbeite ich an dem Komplex „Hamburg“, der ebenfalls alphabetisch nach seinen Stadtteilen sortiert ist, danach kommt dann der Landkreis Harburg und schlussendlich „unbekannte Fundorte“. Die Schrankbeschriftung, Objektkennzeichnungen und die Inventarliste sind aber von mir entwickelt worden. Mir ist es sehr wichtig, ein für alle verständliches und leicht zu bedienendes System zu Grunde zu legen.

Welchen Herausforderungen musst Du dich so stellen?
Ich würde sagen, herausfordernd sind ab und an die kleinen Tücken des Alltags. So kann es unter anderem passieren, dass ein Objekt ohne Vermerk aus Routine- oder zeittechnischen Gründen aus dem Magazin zur Bearbeitung entnommen wurde – da kann dann ganz leicht eine muntere Schnitzeljagd draus entstehen. Anders herum geht das aber auch: Da wir momentan dabei sind, dass alte Magazin in das neue Magazin zu schaffen, werden an der einen oder anderen Stelle Plätze frei, die dann gerne schnell wieder zugestellt werden. Allerdings mit Dingen, die man eher nicht dafür vorgesehen hatte. Aber das sind alles Kleinigkeiten, über die ich immer eher schmunzeln muss.

Was macht dir am meisten Spaß an deiner Arbeit?
Die Arbeit selbst tatsächlich. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, den Funden ein neues Zuhause und eine Identität zu geben. Wenn das Objekt gewogen, beschrieben und neuverpackt an seinem festen Platz steht, macht mich das einfach glücklich. Manchmal ist das hier wirklich Detektivarbeit, wenn Inventarnummer, Zettel und Objekt nicht zusammen passen. Aber auch das macht wirklich Spaß, wenn nach Stunden das Rätsel gelöst werden kann. Ich bin halt ein ordnungsliebender Mensch, der einheitliche Listen und Bücher in Reih und Glied zu schätzen weiß und ich freue mich, wenn ich Chaos bezwingen kann.

Gibt es ein Artefakt, das dir aus besonderen Gründen in Erinnerung geblieben ist?
Als ich Schleswig-Holstein inventarisiert habe, hatte ich unteranderem auch ein bronzenes Schwertklingenfragment aus Reher, Kreis Steinburg, in der Hand – an und für sich erstmal nichts Ungewöhnliches. Ich habe ihm eine Magazinnummer gegeben, es gemessen und verpackt und ihm einen neuen Platz zugewiesen. Das ist jetzt aber schon eine Weile her. Vor drei Wochen war ich mit Ingo im Magazin, um die Schwerter des Museums zu untersuchen und für sich zu inventarisieren. Die besonderen und gut erhaltenen Schwerter haben einen eigenen, speziellen Schrank für sich bekommen. Uns fielen dabei zwei bronzene Klingenfragmente aus Schleswig-Holstein auf. Ein schneller Blick auf meine Inventarliste verriet mir, dass ich bereits einen Datensatz zu einer Klinge aus dem gleichen Ort angefertigt hatte. Also gingen wir mit den beiden Fragmenten rüber in das neue Magazin, um sie mit diesem Klingenfragment zu vergleichen. Wir haben die drei Stücke nebeneinander gelegt und tatsächlich passten alle drei Teile nahtlos aneinander und wir hatten wieder ein vollständiges Schwert vor uns liegen! Im Laufe der Jahre wurden also, aus welchem Grund auch immer, diese drei zusammengehörigen Teile voneinander getrennt, ohne einen Hinweis auf einander. Umso schöner war es dann, die Puzzleteile wieder zusammensetzen zu können und ihnen ein gemeinsames Zuhause zu geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.