Geschichte hilft, sich selbst zu verstehen und auch die anderen (Werner Schäfke)

Im „Mythos Hammaburg“ steckt Herzblut. Es ist ein Projekt, das unser Haus schon seit Jahrzehnten begleitet und nun endlich – in Ausstellung und Katalog – unserer Stadt präsentiert werden konnte, um das früheste Kapitel der Stadtgeschichte neu zu schreiben. Darin lag auch die Bedeutung des Projektes. Denn die Forschung an der Hammaburg war immer gleichbedeutend mit der Suche nach dem Anfang und der Identität Hamburgs. Manch einer mag sich fragen, warum das überhaupt wichtig ist. Darauf gibt es viele Antworten. Hat unsere Gesellschaft eigentlich noch eine von gemeinsamen Werten getragene Kultur, deren Moral wir in Geschichten, Festen und Traditionen vermitteln? Und genau hier muss der Auftrag aller – aber vor allem der Geisteswissenschaftler – ansetzen. Wir brauchen eine offene und rücksichtslose Diskussion über Werte. Und hier schlagen wir den Bogen zur Geschichte. Wie definiert sich eine Gesellschaft? In erster Linie durch gemeinsame Geschichte und denselben Wertekonsens. Leider formulieren wir beides vor allem mit dem Blick auf das 20. Jahrhundert. Eine Zeit, aus der man sich kaum traut, positive Entwicklungen zu zitieren. Und unsere Werte sind nicht nur knappe 100 Jahre alt! Sie sind mit dem Menschen entstanden, haben sich mit ihm entwickelt und sich an regionale Begebenheiten angepasst. Und so hat jede Region ihr eigenes Profil, sodass die Gesinnungen von Nord und Süd und Hoch und Tief nie ganz dieselben Ansprüche haben werden. Mit „Mythos Hammaburg“ haben wir versucht, ein heimisches zu zeichnen. Was prägte den kleinen Ort an der Elbe, dessen heimischen Vorstellungen, die wir kaum erahnen können, nach und nach von griechischen, römischen und christlichen heimgesucht wurde und sie nachhaltig veränderte. Warum wurde Hamburg die große Handelsstadt und konnte sich bis heute behaupten? Was für Menschen trieben diese Entwicklung voran, und was machte die Entwicklung mit den Menschen? Warum entwickelte eine Stadt, die immer vom kulturellen Austausch abhängig war, einen so lokalspezifischen Humor, und keinen universellen? Antworten hierauf liefert die Geschichte und gerade auf diese sollte jeder frei zugreifen können. Unsere mündliche Erzähltradition ist eingeschlafen und die Stadtmythen haben weniger mit Regionalgeschichte zu tun, als mit dem Schrecken des Alltags. Die Ausstellung soll uns also in erster Linie ein Stück unserer Geschichte zurückzugeben. Umso schwerer fällt es uns, daran zu denken, sie bald schließen zu müssen. Sie soll weiter für jeden zugänglich bleiben, ein Stück unseres städtischen Kollektivgedächtnisses werden. Um dies möglich zu machen, passieren gerade zwei Dinge: Zum einen wollen wir „Mythos Hammaburg“ in die Dauerausstellung integrieren, damit sie zumindest im Kleinen auch weiter zu besuchen ist. Zum anderen arbeiten wir daran, dass die Ausstellung mobil wird. Zu allen Hamburger-Objekten werden gerade Fotographien und Texte zusammengestellt, um dann bei Google+ besucht werden zu können. Damit schließen wir an unsere Museums-App an, mit der es schon jetzt möglich ist, die Ausstellung aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Die Hammaburg hingegen wird nicht ortgebunden programmiert, sondern als geschlossene Sammlung zu Thema zu besuchen zu sein. Denn hier ist wichtig, dass die präsentierten Funde nicht aus dem Kontext der Neuerkenntnisse gerissen werden, um mit der Nachhaltigkeit den Gehalt der Ausstellung nicht zu verdünnen.

AMH Museumsapp

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