Die Exponate trudeln ein

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Nachdem die damalige Siedlung nach dem Ende der Domplatz-Burg aufgegeben worden war, nutzte die Hamburger Kirche zu Beginn des 2. Viertel des 11. Jahrhundert den Platz als Kirchenplatz. Dadurch fand die profane Besiedlung des Domplatzes ein Ende und wurde nun für kirchliche Gebäude genutzt. Es entstanden neue Ämter, wie z.B. das des Glockengießers, dessen Satzungen erstmals 1375 schriftliche festgehalten wurden. Als Glockengießer im Dienst der Kirche arbeiteten erstmals, laut Stadterbebuch, 1264 Tiderius Clocgette und ein gewisser Berthold 1308 am St. Petri Kirchhof. Das Amt des Glockengießers, welcher nicht nur ausschließlich Glocken sondern auch Beleuchtungsgerät herstellte, entwickelte sich im 15. Jahrhundert zu einem wichtigen Beruf. Aus dieser Zeit sind viele Bronzekunstwerke erhalten, wie z.B. der bronzener Türzieher der St.Petrikirche oder Läutglocken. Da die Stadtkirchen Hamburgs älter sind, muss es natürlich auch ältere Glocken gegeben haben, die sich allerdings nur noch in Beschreibungen fassen lassen.
Im Rahmen der 1949-1956 und 1980- 1987 durchgeführten Ausgrabungen fand man im Norden des Domplatzes zwei Glockengussgruben. Die sogenannte Glockengussgrube I konnte mittlerweile eher als Trockenofen für das Brennen von Metallgussformen bestimmt werden. Sie datiert in das zweite Viertel des 11. Jahrhunderts. Die Glockengussgrube II, welche im Nordwesten durch den Aufbruchschutt des 1807 abgerissenen Domes und im Nordosten durch eine spätmittelalterliche bzw. frühneuzeitlichen Bestattung gestört war, liefert dennoch einen besonders interessanten Befund. Die Grube wurde offensichtlich für den Guss zweier unterschiedlich großen Glocken genutzt, da die Steine der jüngeren Feuergasse auf den Resten des ersten bzw. älteren Glockengusses aufsaßen. In der Glockengussgrube II fanden sich allgemeine Keramikfunde, die ins Hochmittelalter datieren, aber auch die zerbrochenen Gussformen der beiden dort gegossenen Glocken. Diese Gussformreste lassen auf Kirchenglocken im Bienenkorbtypus schließen, die in dieser Form bis ins 12. Jahrhundert gebräuchlich waren. Mithilfe dieser Tatsache und in Verbindung mit der Kirchenbauüberlieferung ergibt sich für die Glockengussgrube II ebenfalls eine Datierung in das 2. Viertel des 11. Jahrhunderts. Dadurch, dass die Glockengussgrube II eine recht baugleiche Variante der ersten Grube ist, stellt sich die bisher nicht geklärte Frage, ob sie gemeinsam mit dieser ersten Grube für die Erschaffung eines aus drei Glocken bestehenden Geläuts gedient hatte. Anhand der Gussformreste lässt sich dennoch feststellen, dass sie beide durch das gleiche Verfahren gearbeitet wurden: dem Wachsausschmelzverfahren. Dieses Verfahren wurde auch in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts durch den Mönch Theophilus Presbyter im 3. Teil seines Buches „Diversarum artium schedula“ beschrieben. Zunächst wird ein Kernrohling auf der Drehbank abgedreht, bis die Innenform der Glocke fertiggestellt war. Danach entwarf der Meister ein Halbprofil und trug die „falsche“ Glocke aus Wachs auf. Abschließend wurden darüber neue Lehmschichten gelegt und die Form wurde getrocknet und gebrannt. Danach musste das Wachs herausgeschmolzen werden, damit der so entstehende Hohlraum später mit flüssiger Bronze gefüllt werden konnte, das sogenannte Wachsausschmelzverfahren. Dieses Verfahren wurde ab 1200 durch das Mantelabhebverfahren abgelöst und bestätigt somit auch die angenommene Datierung.

Sarah Denker

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