Was hat der Bischofsturm mit einem Bischof zu tun?

Auf dem Domplatz im Herzen Hamburgs liegt nicht nur die Keimzelle der heutigen Stadt, die Hammaburg, sondern auch, unmittelbar nördlich angrenzend, der sogenannte Bischofsturm.
Im Rahmen des Wiederaufbaus der Stadt Hamburg nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gemeindehaus von St. Petri 1962 neu aufgebaut. Begleitend dazu wurden Ausgrabungen von 1962-1965 unter der Leitung von Dietrich Bohnsack durchgeführt, nachdem ein großer Steinring mit einem äußeren Durchmesser von 19 m durch die Arbeiten freigelegt wurde. Sein Schalenmauerwerk, bei dem große, teilweise künstlich geglättete Findlinge die Außen-und Innenwand bilden, während mit Marschschlick gebundene Rollsteine den Zwischenraum füllen, lässt auf eine massive Bauweise bzw. auf eine Fundamentfunktion schließen. Wahrscheinlich handelte es sich um einen mehrgeschossigen Steinbau, dessen Obergeschoss durch eine Leiter erreicht werden konnte. Lange wurde dieser Steinbau als Wohnturm des Erzbischofs Bezelin-Alebrand (1035-1043) interpretiert. 1074 äußerte sich Erzbischof Adam von Bremen in seinen archivalischen Überlieferungen zur Hamburgischen Kirchengeschichte dazu; Alebrand hätte sich demnach ein Haus aus Stein gebaut. Damit könnte das Turmfundament gemeint sein. Gegen einen Privatwohnsitz spricht allerdings die Tatsache, wie Jürgen Bolland, Historiker und Direktor des hiesigen Staatsarchivs, anmerkt, dass das Grundstück Kreuslerstaße 4/Speersort 10 im Mittelalter bereits im städtischen Besitz war und privates Bauen somit nicht mehr möglich war. Außerdem entsprach der massive Rundturm nicht dem Typus eines Bischofspalastes, weshalb man in der archäologischen Forschung mittlerweile annimmt, dass dieser Bau vielmehr als Befestigungs-bzw. Wachturm eines Stadttores gedient hat. Im Zuge der Ausgrabung am heutigen Standort der KITA St.Petri im Jahre 2008 wurden Reste einer parallel zur Speersort und Steinstraße verlaufende Steinsetzung, die an das Turmfundament anstoßen und eine Torwange gebildet haben könnten, zu Tage gefördert. Die Lage des Turms in der Nähe zum östlich vorgelagerten Heidenwall sowie an der wichtigsten Einfallstraße von Osten in die Stadt, unterstreicht diesen Gedanken. Durch den Vergleich von Schichtbefunden der Altgrabung Bischofsturm 1962-1965 mit den Schichtbefunden der 2008 durchgeführten Grabung konnte Frau Dr. Först, die Leiterin der Bodendenkmalpflege, ermitteln, dass der Turm erst im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Damit ist er für ein Bauwerk Bezelin-Alebrands etwa ein Jahrhundert zu jung. Somit ist der Bischofsturm kein Privatwohnsitz eines Bischofs gewesen, sondern vielmehr ein Späh-oder Wachtturm eines Stadttores. Er trägt also seinen im Volksmund geläufigen Namen „Bischofsturm“ zu Unrecht.
Heute ist der Bischofsturm eine Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg und kann im Keller der „Dat Backhus“ Filiale kostenlos besichtigt werden.

Bischofsturm

von Sarah Denker

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