Mittelalterliche Klänge

Im frühen Mittelalter war es nicht Gang und Gebe, dass ein jeder lesen konnte. Doch der Alltag der Mönche in den Klöstern wäre ohne „das Buch“ undenkbar. Nicht nur die Heilige Schrift, die den Gläubigen als Lebensanleitung diente, nahm hier eine zentrale Rolle ein. Die Buchproduktion des Mittelalters fand in den Skriptorien der Klöster statt, wo Mönche auch für Auftraggeber Bücher abschrieben. Viel von dem Klosterleben war darauf abgestimmt: Um überhaupt schreiben zu können, brauchten die Geistlichen Tierhäute, um Pergament daraus herstellen zu können. Deshalb wurden auf den Ländereien der Klöster Rinder, Schafe und Ziegen gehalten, um die Buchproduktion zu gewährleisten.
In Hamburg gibt es für das frühe Mittelalter keinen Beleg für ein eigenes Skriptorium, doch wird der Bedarf durch Import gedeckt worden sein. Leider konnten die Bücher den Charakter eines Handelsguts in Hamburg nicht völlig abstreifen. Viele historisch wertvolle Bücher wurden vom Hamburger Dom 1784 verkauft, als dieser Renovierungsarbeiten zu bewältigen hatte. Dies ist einer der Gründe, weshalb Hamburg wenige seiner alten geschriebenen Schätze besitzt.
Mittelalterliche Klänge
Unter den verkauften Büchern befand sich ein kleines Missale, ein Messbuch, das nach Italien gelangte und in der Biblioteca Vallicelliana in Rom Obdach fand.
Das Missale ist die frühste Quelle der hamburgischen Musikgeschichte. Es besteht aus 85 Pergamentblättern in einem Format von 20 x 13 cm, ist also recht handlich. Die Handschrift ist für das späte 11. und frühe 12. Jahrhundert charakteristisch, doch teilweise etwas unordentlich. Es wird vermutet, dass es einem reisenden Kleriker gehörte, der Gesangtexte darin notierte. Er ließ zwischen den Zeilen Platz, um noch weitere Notizen einfügen zu können, leider fehlen größtenteils Musiknotationen, da die Mönche dieser Zeit sich, wenn überhaupt, nur Noten in die erste Zeile schrieben, um sich an die Melodien zu erinnern. Der Eintrag auf dem Schutzband „Iste liber est ecclesiae Hamburgensis“ macht die Verbindung zur späteren Hansestadt sicher.
Für unsere Ausstellung kommt das kleine Buch für einen kurzen Besuch wieder nach Hause und wir freuen uns ganz besonders auf diesen Zeitzeugen.

3 Gedanken zu „Mittelalterliche Klänge

  1. Guten Tag Frau Hansen,

    ich hätte eine Frage betreffend Abschriften aus Hamburg an Sie. Bekanntermaßen wurden im Mittelalter und speziell nach der Reconquista ja viele antike Texte über den nun etwas ruhigeren Kontakt zur muslimischen Welt zurück ins nun leider christliche Europa gebracht bzw übersetzt. Ist es bekannt, ob es solche Vorgänge auch in Hamburg gab, oder ob Abschriften dieser Texte auch nach Hamburg gelangten, oder lassen sich hierfür keine Belege finden?

    Liebe Grüße

    1. Lieber Basti,

      leider hast du in deiner Ausführung einen kleinen Fehler bezügliglich des „leider“ christlichen Europas. Auch vor der Reqonquista und dem ruhgeren Kontakt mit dem Muslimen (der auch vor der Reconquista (und teilweise auch während der Kreuzzüge) öfter ruhig war) schon antike Texte in Europa. Sie mussten nicht zurückgebracht werden, da viele christliche Kirchen die antiken Texte vor den einfallenden Hunnen bewahrt haben, die gerne Bücher verbrannt haben. Das einfügen von Antiken Quellen in seine Texte und das erwähnen dieser war Standard im Mittelalter. Es war absolut üblich, weil man diese Texte kannte. Wie anders erklären sie sich Antikenromane? Die Antiken Texte waren in Europa durchaus sehr bekannt.

      Liebe Grüße

  2. Sehr geehrter Herr Basti,
    leider nein. Wenn Sie diesbezüglich auf Quellen gestoßen sind, Hammaburg betreffen, wären wir begeistert, würden Sie diese mit uns teilen.

    Liebe Grüße

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