Der neue alte Ansgar

Das Tafelbild Bischof Ansgars ist eines unserer Ausstellungsobjekte. Es entstand Mitte des 15. Jahrhunderts und ist im Laufe der Zeit sehr verändert worden. Wie? Das zeigten die jüngsten Restaurierungsarbeiten, die dem Bild wieder ein altes Gesicht verpassten.
Wer unseren Blog eifrig verfolgt, dem wird es nichts Neues sein, hier von Bischof Ansgar zu lesen. Dieser wird uns in der Ausstellung in unterschiedlicher Form begegnen, doch nur auf einem Ausstellungsobjekt zeigt der Heilige gleich mehrere Gesichter. Die Hamburger Hauptkirche St. Petri leiht dem Museum ein Tafelbild, das eigentlich seit fast 200 Jahren zum ihrem festen Inventar gehört.
Der neue alte Ansgar2 Das Tafelbild wurde 1457 für den Hamburger Dom von Domprobst Johan Middelman gestiftet, und gilt als gesichertes Werk des Hamburger Malers Hans Bornemann. Als der Dom 1804 abgerissen wurde, fand das Bild wenige Jahre später – 1817 – in der Hauptkirche St. Petri ein neues Heim.
Um die letzte Jahrtausendwende herum wurde die Bildtafel in der Ausstellung „Goldgrund und Himmelslicht“ in der Hamburger Kunsthalle präsentiert, fand aber anschließend nicht direkt den Weg zurück, zu seinem angestammten Platz, im Nordschiff der Kirche. Wegen Sanierungsarbeiten an dem Bild kam es in die Jacobi-Werkstatt St. Petris. Diesen Moment ausnutzend veranlasste das Denkmalschutzamt eine gründliche restaurierungswissenschaftliche Untersuchung des Tafelbildes. Dieses war in seiner Vergangenheit übermalt worden und so sollte die Untersuchung zum einen Ausmaß und Umfang der Umgestaltung festhalten und zum anderen Aufschlüsse zur Maltechnik Bornemanns liefern.
Das Bild zeigt Bischof Ansgar, der zwischen zwei Säulen, die zusammen einen Rundbogen tragen, auf einem braun-weiß karierten Boden vor blauem Hintergrund, der Himmel andeutet, steht. Mit Chormantel, Messgewand und Alba, sowie den Insignien seiner Bischofswürde – Bischofstab, Mitra und Pontifikalhandschuhe mit mehreren Ringen an den Fingern – ausgestattet, hält er das Modell einer Kirche. Das Modell erinnert daran, dass Ansgar die erste Kirche im Gebiet der Hammaburg hatte bauen lassen. Zu seinen Beinen kniet der Stifter, der über seinem Kopf ein Spruchband trägt, welches besagt „Johan Middelman prebo(situs) ob(iit) 1457“. Die golden eingefasste schwarze Umrandung hat auf ihrem unteren Rahmenschenkel „S. Anscharivs Renov: 1668“ stehen. Das Stiftungsdatum und das der nachreformatorischen Umgestaltung sind also auf dem Gemälde selbst festgehalten.
Die Röntgenaufnahmen, die im Rahmen der Untersuchungen gemacht wurden, machten alte Texte unter der „neuen Farbe“ wieder lesbar. So konnte rekonstruiert werden, dass der schwarz-goldene Rand des Bildes ursprünglich rot war und einen umlaufenden Text trägt, der besagte (vom Latein ins Deutsche): „Im Jahre des Herrn 1457 am Vorabend der Geburt Christi starb der ehrwürdige Herr Magister Johan Middelman, Probst dieser Kirche, seine Seele möge in Frieden ruhen. Amen.“ Das Tafelbild diente also auch als Epitaph für den Verstorbenen. Dieser hatte in seinem Spruchband ebenfalls eine Nachricht niedergeschrieben: „ora pro me beate pater Anscharius“ (bete für mich, Seliger Vater Ansgar). Das Bild wurde im 17. Jahrhundert also dem neun Zeitgeist angepasst, und dies war nicht die einzige Veränderung, die es im Laufe der Zeit hinnehmen musste. Weitere Übermalungen und einige Beschädigungen veränderten Ansgars Antlitz in der Folge. Diese wurden von den Restaurateuren in der Jakobi-Werkstatt entfernt, sodass der ursprüngliche Ansgar von wieder zum Vorschein kam. Die Farbveränderungen scheinen kaum der Rede wert –der Hintergrund wird blau, statt grau und die Nuancen verschieben sich ein wenig. Ein Blick in Ansgars Gesicht allerdings verrät, dass ihm die letzte Restauration seinen Drei-Tage-Bart, sowie die eine oder andere Mimikfalte, zurückgegeben hat.
Lassen Sie beide Ansgar-Gesichter auf sich wirken! Der Unterschied mag wenige Pinselstriche ausmachen, doch es ist, als würde einen ein anderer Mensch angucken –ein anderer Zeitgeist halt.

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