Zurück in das frühe Mittelalter – eine kollektive Zeitreise

Ob nun aus nostalgischen Gründen der Blick nach der Jahrtausendwende auf die letzte gerichtet wird, ist nicht ganz gewiss, doch zeigen diverse Ausstellungen dieses Jahr, dass die Zeit um das Jahr 1000 in neuem Licht erstrahlt.
Die neuen Forschungsergebnisse der Archäologie schreiben nicht nur die Geschichte der Hammaburg neu, sondern auch die der für Angst und Schrecken sorgenden Wikinger und des Sachsenschlächters Karl des Großen.
Der Zusammenarbeit des Dänischen Nationalmuseums mit dem Museum für Ur- und Frühgeschichte in Berlin ist die Wanderausstellung „Vikings: Life and legend“ entsprungen. Diese wird aktuell noch in London präsentiert, soll im September aber den Weg in den Martin-Gropius-Bau in Berlin finden. Veranschaulicht wird die Zeit zwischen 800 und 1050, in der den Wikingern als Volk der Ruf gewaltsamer Barbaren voraus eilte und diese von Skandinavien über Europa bis Afrika und Kanada Angst und Schrecken verbreiteten. Doch blickt die Ausstellung hinter die von Voreingenommenheit gefärbten Berichte beraubter christlicher Mönche, die den Wikingern ihr brutales Leben bescheinigen und so die Legende schufen. Sie ließen dabei sowohl außer Acht, dass diese in ihrer Zeit keine Ausnahme bildeten, als auch das gesellschaftliche Leben des Seefahrervolkes. Die Ausstellung möchte es besser machen und widmet sich beiden Aspekten – Legende und Leben – um ein rundes Bild der Nordmänner zu zeichnen.
Parallel hierzu feiert die Wikinger-Dauerausstellung Museum Moesgård eine Neugestaltung. Die neue Präsentation besticht nicht nur durch zahlreiche Exponate, die das erste Mal für die Öffentlichkeit zur Schau gestellt werden können, sondern auch durch ihre neuartigen Installationen. Der Besucher kann das frühgeschichtliche Århus um 980 auf einem großen Bildschirm in einem belebten 3d Modell bewundern und dabei zusahen, wie es von Wikinger geplündert wird.
Ebenfalls neu beleuchtet wird der Wunschstammvater der Franzosen und Deutschen – Karl – Kaiser des Frankenreiches, christlicher Vater Europas, Sachsenschlächter – der Große.
Der erfolgreichste Herrscher, den das karolingische Geschlecht hervorbrachte, wird uns in zwei neuen Ausstellungen näher gebracht.
Die Stadt Osnabrück sieht in Karl den Großen den Gründer ihrer Stadt, ihres Bistums, ihres Doms – kein Wunder also, dass dort eine Sonderausstellung zu seinem 1200. Todestag, dem28. Januar 2014, installiert wurde. „Karl der Große und Osnabrück“ bietet als zentrales Ausstellungsstück Karls rechte Elle, die von vielen Objekten begleitet wird, die seine Geschichte greifbarer machen.
Die Stadt Aachen, in der Karl der Große vermutlich an einer Rippenfellentzündung starb, widmet ihm gleich eine dreiteilige Ausstellung. Zusammengefasst in: „Karl der Große – Macht Kunst Schätze“ wird jedes Themengebiet in von einander getrennten Lokalitäten für sich präsentiert. So wird ein weit umgreifendes Bild gezeichnet, dessen einzelne Schwerpunkte durch Sammlungsbestände der Stadt und bedeutende Leihgaben von vielen Museen und Privatsammlern repräsentiert werden.
Bei soviel Macht und Pomp mag mancher auf die Idee kommen, Ansgar und die Hammaburg würden nicht so spannende Geschichten erzählen können, wie grausame Seeräuber und erfolgreiche Invasoren. Doch spielen auch diese in der Geschichte des Bistums eine wichtige Rolle und tragen einiges zum Mythos Hammaburg bei und werden deshalb von uns ebenfalls präsentiert. Doch zwischen den Barbarenüberfällen und den Thronwirren der Zeit wollen wir vor allem die Menschen zeigen, die die Geschichtsbücher großspurig übergehen: Das Volk, seinen Glauben und seine Lebenswelt.

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