Wenn die kleinen Münzen getreulich gehäuft werden, kommt ein Schatz zusammen.

Auch die Ausstellung „Napoleons Silberschatz“ …

… beleuchtet Hamburgs Vergangenheit. Sogar ein sehr dunkles Kapitel, das selten im schulischen Geschichtsunterricht Erwähnung findet.
Die französische Revolution veränderte vielerorts den Lauf der Geschichte. Aber wer hätte damals schon damit gerechnet, dass der aufrührerische bürgerliche Geist seinen Weg vom Mittelmeer bis in den windigen Norden zurücklegen würde, dicht gefolgt von einem neuen Zeitalter, das sich seinen Weg durch Unruhen und Not kämpfen würde?
Hamburg stand Anfang des 19. Jahrhunderts zwischen den Fronten. Die wichtigsten Handelspartner der Stadt waren damals Frankreich und England – deren erbitterte Erbfeindschaft wieder einmal politische Brisanz hatte. Napoleon verhängte gegen die mächtige Insel eine Kontinentalsperre, doch um die Durchsetzen zu können, musste er zunächst einmal Hamburg in seinen Griff bekommen. Zum Ende des Jahres 1806 wurde Hamburg besetzt und das Handelsverbot Englands, das über die Kontinentalsperre erreicht werden sollte, schlug in beide Richtungen aus: Die Auswirkungen für das Münzen3Empire waren verheerend, doch ebenso für die Hafenstadt. Zahlreiche Unternehmen und Händler gingen in Hamburg und Umgebung pleite, Armut und Arbeitslosigkeit griffen um sich. Wer es sich nicht erlauben konnte, zu fliehen, wurde von neuen Steuern gebeutelt. Es lässt sich also schon erahnen, dass die Anwesenheit der Franzosen für wenige Begeisterungstürme unter den Hanseaten sorgte. Dies änderte sich in den folgenden Jahren kaum und das einzige, was in dieser Zeit erblühte, war der Schmuggel mit dem nahen Dänemark. Doch Napoleons Pläne mit Hamburg reichten weiter. 1811 wurden Hamburg, Wilhelmsburg und Harburg zusammengefasst als Hauptstadt des Departementes der Elbmündung, also dem Norden des französischen Kaiserreiches. Diese Maßnahme brachte erhebliche Änderungen im Gesetz, der Infrastruktur und dem Lebensgefühl mit sich. Bis 1814 war die Stadt so Bühne für ein Stück Geschichte, das mehr Stoff – als für ein Drama – in sich birgt. Während Napoleon die Aussage „Ich ziehe es vor, die Hamburger zahlen zu lassen. Das ist die beste Art, Kaufleute zu bestrafen.“ nachgesagt wird, deren Inhalt zumindest die Belagerungszeit bestimmte, hielt in der Folgezeit, der Franzosenzeit, der wahre Krieg in die Stadt Einzug: Der selbstherrliche russische Oberst Friedrich Karl von Tettenborn und der französische General Louis-Nicolas Davout, der auch als „Robespierre von Hamburg“ in aller Munde war, lieferten sich erbitterte Kämpfe und Belagerungen um die Stadt, die in dieser Zeit mehr als einen Brand, eine Hinrichtung, eine Vertreibung verkraften musste.
In solchen Zeiten könnte über jedes beteiligte Leben ein Buch gefüllt werden, doch nahezu alle Geschichten werden von den Unruhen des Wandels verschluckt. Nun ist es unser großes Glück, dass uns ein wahrhaftiger Schatz einige Seiten solch einer Geschichte erzählt: Über 8000 Münzen wurden in den letzten Tagen des Krieges auf unserer Elbinsel Wilhelmsburg in einem Milcheimer vergraben. Wer hatte sie dort, mitten auf einer Weide, versteckt und welche Umstände trieben ihn dazu? Und wie kommt es, dass etwa 100 Jahre später ein Wilhelmsburger auftaucht, der noch von diesem Schatz weiß?
Mit dem Schatz im Mittelpunkt und diesen Fragen als Leitfaden entwickelte sich unsere neue Sonderausstellung „Napoleons Silberschatz“, die vergangenen Dienstag eröffnet wurde. Exponate, die die bürgerliche Lebenswelt, aber auch die Neuerungen und Schrecken der Zeit illustrieren, sollen unsere Besucher in das Hamburg der Franzosenzeit führen. Abgerundet wird die Schatzgeschichte durch drei Kurzkrimis, die in der Ausstellung als Hörbücher installiert, aber selbstverständlich auch zum Lesen in unserem Ausstellungskatalog zu finden sind. Drei Hamburger Autoren beschreiben so die Seiten der Erzählung, die Archäologen nicht zu füllen vermögen.

Münzen2 Münzen1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.