Ludwig der Fromme

In der Geschichte der Hammaburg spielen mehr als eine Person eine wichtige Rolle. Unsere Ausstellung rückt Bischof Ansgar in den Mittelpunkt, weil er und seine Mission Hamburg tief prägten. Doch an dieser Stelle soll der Gründer des Bistums vorgestellt werden, Ludwig der Fromme, dessen Leben, mit seinen Höhen und Tiefen, weit besser dokumentiert wurde, als das unseres Geistlichen.
Als Karl der Große sich auf seinem Spanienfeldzug befand, brachte seine Frau Hildegard in der Pfalz Chasseneuil bei Poitiers im Sommer 778 Zwillinge zur Welt. Als der König zurückgekehrt war, ließ er seine Söhne Ludwig und Lothar taufen –nach den beiden bedeutendsten merowingischen Herrschern Chlodwig I. und Chlothar I.. Doch der kleine Lothar verstarb schon während seines ersten Lebensjahres. Ludwig war der dritte Sohn, der der Ehe Karls des Großen mit Hildegard entsprang und wurde schnell in die Staatsgeschäfte mit eingebunden.
Am 15. April 781, einem Ostersonntag, sollte das Leben Ludwigs und das seines Bruders Pippin in Rom eine entscheidende Wendung einschlagen. Papst Hadrian I. salbte den dreijährigen Ludwig zum Unterkönig Aquitaniens und seinen vierjährigen Bruder zum Unterkönig Italiens. Doch bei dem Titel sollte es nicht bleiben. Die beiden Kleinkinder wurden, mit einem Hofmeister und anderen Helfern zur Erziehung, in ihre Unterkönigreiche geschickt. Bei ihrem Aufbruch sahen sie ihre Mutter vermutlich das letzte Mal. Hildegard starb zwei Jahre später. Ludwig wuchs so relativ isoliert von seiner Familie in Südfrankreich auf.
Im Jahr 794 heiratete er Irmingard (780 – 818), mit der er fünf Kinder bekam. Seinen Erstgeborenen nannte er, nach seinem verstorbenen Zwilling, Lothar.
Als Karl der Große das Alter erreicht hatte, in dem seine Nachfolge geplant werden musste, waren Ludwigs ältere Brüder schon verstorben, sodass die Erbschaft an ihn fiel. Am 11. September 813 wurde er von seinem Vater zum Mitkaiser gekrönt –ein vorsichtiger Schachzug Karls, denn so konnte er seine Nachfolge sichern, ohne seinem Sohn die Alleinherrschaft über das fränkische Reich gleich zu überlassen. Knapp vier Monate später starb Karl und Ludwig wurde alleiniger Kaiser. Zu Beginn seiner Herrschaft räumte er erst einmal am Hof etwas auf.
Er besetzte den Hofstaat, mit seinen Vertrauten aus Aquitanien beinahe, vollständig neu. Federführend waren hier auch seine kirchlichen Berater, unter anderem sein ehemaliger Milchbruder Ebo von Reims. Seine unverheirateten Schwestern, die allerdings ihrem Status nicht entsprechend verkehrten, verwies er vom Hof. Seine nicht legitimen Halbbrüder verwies er nach einiger Zeit in den Dienst der Kirche.
Auch das Land reformierte er in seinen ersten Jahren konsequent. Er deckte schnell, durch so genannte missidominici (Königsboten), eklatante Missstände in den Verwaltungsapparaten auf, die Ludwig direkt beseitigte. Auch vereinheitlichte er die Liturgie und Lebensführung für den nichtmonastischen Klerus. Das Prozessrecht modernisierte er ebenfalls. Er schaffte einige Formen des Gottesurteils ab und führte dafür den Zeugenbeweis ein.
Allerdings ist seine Herrschaft auch bestimmt durch Konflikte um seine Nachfolge. Es könnte sein, dass es einem Unfall, den Ludwig beinahe wie durch ein Wunder überlebt haben soll, zuzurechnen ist, dass der Kaiser seine Nachfolge sehr früh regelte. Allerdings entschied er sich, sein Reich nicht, wie im fränkischen Brauch üblich, unter seinen drei Söhnen aufzuteilen und folgte einer Sonderregel, die es ihm erlaubte, das gesamte Reich seinem Erstgeborenen zu überlassen. Nachdem er Lothar als alleinigen Nachfolger durchgesetzt hatte, was für viel Unruhe gesorgt hatte, verstarb seine Frau Irmingard 818. Mit seiner zweiten Frau Judith (795 – 843) bekam er dann eine Tochter und einen Sohn, Karl (der Kahle). Zweiten wollte seine neu Angetraute nun auch zu gerne auf dem Thron sehen, was einen innenpolitischen Konflikt verschärfte: Die nach Lothar geborenen Söhne aus erster Ehe, Pippin und Ludwig (der Deutsche), sahen sich durch dessen Alleinerbe eh stark benachteiligt und bauten auch eine erhebliche Rivalität zu ihrem Halbbruder Karl auf. Die familiären Konflikte gipfelten in Verrat und Intrigen, die mehrfach in unterschiedlichen Konstellationen auf dem Schlachtfeld ausgetragen wurden. Diese Erbschaftskonflikte sind der Beginn der Aufteilung des Karolingerreiches.

Doch in all diesen Wirren ging Ludwig auch noch immer seinen Staatsgeschäften nach, und so schickte er nicht nur seinen Milchbruder Ebo von Reims, sondern auch Bischof Ansgar, als Missionare nach Skandinavien. Und gründete 841 das Bistum Hamburg, von dem aus die Mission des Nordes gesteuert werden sollte.
Auch seine letzten Jahre waren von dem Konflikt mit seinen Söhnen bestimmt, und so verwundert es nicht, dass diese zumindest indirekt auch seinen Tod beeinflussten. Er war gerade mal wieder auf dem Weg zu einer Strafmission (Karl wollte sich nicht nur mit Bayern abspeisen lassen), als vermutlich eine Bronchitis in Verbindung mit Magen- oder Speiseröhrenkrebs dem Leben des Kaisers ein Ende setzte.
Erst Jahrzehnte nach seinem Tod bürgerte sich der Beiname „der Fromme“ ein, unter dem er heute noch geläufig ist.

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