Kampf um die Hammaburg

Kampf um die Hammaburg

Schwerter und Schwertkampf faszinierten mich schon als Kind und nachdem ich beim Linealfechten in der Grundschule einfach zu viele Lineale zerstört hatte, baute mir mein Vater mein erstes Holzschwert. Im Studium kam ich dann über meinen Mitbewohner zum Wikingerreenactment und darüber zum Reenactmentfechten (eigentlich war es eher andersherum) und inzwischen betreibe ich seit fünfeinhalb Jahren historisches Fechten. Außerdem begann ich, mich auf wissenschaftlicher Basis mit Schwertern zu beschäftigen. Mit ihrer Herstellungstechnik und, gemeinsam mit meinem langjährigen Freund und Fechttrainer Roland Warzecha, auch mit ihrer Verwendung. Dabei habe ich einiges gelernt, z. B., dass Schwerter keine stumpfen Metallkeulen sind, die verwendet wurden, um Knochen unter dem Kettenhemd zu brechen, wie immer mal wieder behauptet wird. Wenn sie dazu da wären, dann sähen sie anders aus – vermutlich wie Baseballschläger. Und dass Schwertkampf nicht so funktioniert wie in Hollywoodfilmen.
Kampfkünste und damit auch Fechten bestehen nicht aus einer Aneinanderreihung von Tricks, sondern sie wurden damals wie heute von physikalischen Gesetzmäßigkeiten bestimmt. Technisch richtiges Fechten setzte sich vermutlich recht schnell durch – das brauchte ja nur einer mal zufällig zu kapieren und dann war einfach der Selektionsdruck ziemlich hoch.
Durch das Fechten habe ich auch gelernt, dass man Waffen nicht einzeln betrachten darf, sondern dass sie immer im Kontext mit der restlichen Ausrüstung (Schilde, Rüstung…), der Kampfweise (Formation, einzeln…) und der Situation (Schlacht, Duell…) zu sehen sind.
Diese Woche habe ich mit Roland einige Schwerter aus unserer Dauerausstellung unter die Lupe genommen, darunter auch ein karolingisches Schwert aus dem 9. Jh., wie es die Bewohner Hammaburgs zur Verteidigung gegen die Wikinger im Jahre 845 verwendet haben könnten. Was die Kampftechnik betrifft, ist das das 9. Jh. eine sehr interessante Zeit, die Wikinger verwendeten noch die Waffenkombination aus einhändig geführtem Schwert und flachem Rundschild, die sich bereits in der jüngeren Römischen Kaiserzeit durch setzte, die Sachsen und Franken verwenden zum einhändig geführten Schwert bereits den gewölbten Rundschild. Der Unterschied ist, dass sich der gewölbte Rundschild besser für den Einsatz in Formationen eignet, während der flache besser für den Zweikampf ist.
Der flache Rundschild wird aktiv eingesetzt, wenn der Fechter alles richtig macht, bleibt er dabei die ganze Zeit durch den Schild gedeckt. Wie das aussieht, könnt Ihr in einem Video einer Vorführung von Roland sehen. Der gewölbte Rundschild ist nicht aktiv einsetzbar, er wird relativ statisch dicht vor dem Körper gehalten. Wenn man jetzt einen Hieb führen will, wird zwangsweise der Schwertarm entblößt, da er vor den eigenen Schild gestreckt werden muss.
An die Schwerter, die mit dem flachen bzw. gewölbten Rundschild geführt werden, werden also unterschiedliche Anforderungen gestellt. Während ersteres sich voll auf das Töten oder Verstümmeln des Gegners konzentrieren kann, muss zweiteres zusätzlich auch noch den Schild dabei unterstützen, seinen eigenen Träger am Leben zu erhalten. Diese unterschiedlichen Anforderungen führen zu unterschiedlichen Fechttechniken, die sich in der Schwertform niederschlägt. Beim Kampf mit dem flachen Rundschild werden „geworfene“ Hiebe ausgeführt, die eine große Reichweite haben. Das Schwert dazu hat eine kurze Parierstange, der Griff ist kurz und der Knauf hat eine meist gerade Unterseite und ist flach, er wird beim Hieb mit Ring- und kleinem Finger gegriffen. Beim Kampf mit dem gewölbten Rundschild müssen „schützende“ Hiebe verwendet werden. Diese haben eine geringere Reichweite, decken aber den eigenen Körper. Das Schwert dazu hat eine längere Parierstange, die die Hand besser schützt, einen längeren Griff und später eine gewölbte Knaufunterseite, um der Hand mehr Bewegungsfreiheit zu geben. Details dazu erläutert Roland auf seiner Facebookseite.
Das Schwert aus der Sammlung stammt aus der Übergangszeit, mit ihm sind beide Hiebarten möglich. Dieses Schwert sowie weitere Waffen und Erläuterungen zu der dazugehörigen Kampftechnik werden ab Oktober in der Ausstellung zu sehen sein.

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